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Satellitenbildanalyse (101) und Mittelfristausblick, 05. September 2009, Basis: 12z-Läufe

geschrieben für das Wetterzentraleforum
in den nächsten Tagen laufen zwei synoptisch recht interessante und optisch ästhetische Zyklogenesen auf dem Nordatlantik ab, die indirekt auch die Großwetterlage über Mitteleuropa, insbesondere im deutschsprachigen Raum, beeinflussen werden.

Die beiden führenden Mittelfristmodelle GFS und EZ zeigen unterschiedliche Lösungen, was das Endstadium vor allem der zweiten Tiefdruckentwicklung betrifft - entsprechend scheidet sich an dieser Unsicherheit auch die Zukunft des ruhigen Altweibersommerwetters, das sich kommende Woche zumindest in Teilen Mitteleuropas einstellen wird. Dazu aber später mehr.

Der Fokus dieser Übersicht liegt zunächst in der Satellitenbildanalyse vom 05. September 2009, 18.15 UTC:

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Im Nordatlantikausschnitt von Aviationweather stechen vier Entwicklungen ins Auge, die besondere Beachtung verdienen.

1) Ein alternder Tiefdruckwirbel südlich von Grönland, der bei 500hPa-Temperaturen von -25°C und weniger recht niedrige Wolkenobergrenzen aufweist und aufgrund der absoluten Feuchte von nur 18-25°C (pseudopotentielle Temperatur) einen relativ geringen Wasserdampfgehalt besitzt.

2) Eine gut ausgeprägte Welle im Bereich eines kleinräumigen, sekundären Jetstreams, der sich aber in den kommenden Stunden auflöst. Die Welle verbleibt weit antizyklonal des primären Jetstreamasts und vertieft sich daher kaum. Großbritannien wird eine stratiforme Dusche verpasst bekommen - der äußerste Nordwesten Deutschlands sowie Dänemark geraten in den Einflussbereich der langsam ostwärts ziehenden Kaltfront bzw. in den schmalen Warmsektor.

3) Eine wesentlich potentere Nachfolgezyklone entwickelt sich aus dem konvektiven Schlaz südöstlich von Neufundland, Ausdruck einer energiereichen bzw. absolut sehr feuchten Luftmasse, die in den nächsten Tagen auf die Vorderseite eines markanten Kurzwellentrogs gelangt. 27 hPa Druckfall in 24h erfüllen die Definition einer "rapid cyclogenesis". Die gewaltige Warmluftadvektion lässt das Geopotential bei uns stark steigen, jedoch besagt die alte synoptische Regel, dass gemächlich verlaufender Geopotentialaufbau mehr nachhaltige Stabilität bedeutet als ein rascher Prozess. So ist sowohl die Wetteraktivität der Kaltfront des Sturmtiefs als auch der bis dahin vorherrschende Hochdruckeinfluss in Frage gestellt.

4) Nicht zu vergessen ein weiterer schwacher Tiefdruckwirbel, dessen Warmfront (auf der kalten Seite der Frontalzone) Norddeutschland in der zweiten Nachthälfte bzw. am Sonntag vormittag noch mit kompakter Bewölkung und etwas Regen eindecken wird.

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Besagte energiereiche Welle auf dem Nordwestatlantik hat bisher keinen organisierten Anstrich, das wird sich aber mit zunehmender Einverleibung in die Frontalzone bzw. ins diffluente Höhenwindfeld ändern.

Die Ausgangslage um 18 UTC inkl. Frontensalat

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Der Luftdruck über West- und Mitteleuropa steigt an, der stromaufwärtige Warmluftberg unterstützt den Hochdruckeinfluss auch in der Höhe, sodass es sich nicht nur um ein Zwischenhoch handelt.

Sonntag mittag, 12 UTC

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Die Großwetterlage zeigt einen stark verwellten Langwellentrog über dem Nordatlantik, darin eingebettet ein Kurzwellentrog über Osteuropa, der sich langsam auffüllt. Ein Kurzwellenkeil rückt nach und beschert uns ab Montag zunehmend sonniges Wetter, wenngleich nicht überall. Weiß eingekringelt das Tief vor Irland, das unter der Höhenwärme liegt und sich deswegen nicht vertieft, weiters herrscht hier weder eine ausgeprägte Höhendivergenz vor noch sind Krümmung/Scherung stark ausgeprägt. Weiter stromaufwärts ist auch die Lage der potenten Warmfrontwelle eingekringelt, die ebenfalls ungünstig auf der warmen Seite des Jetstreams sich befindet, doch die nachfolgende Trogachse ist wesentlich stärker gekrümmt (= stärkere positive Vorticityadvektion) als bei ihrem Vorgänger.

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Beide Systeme stammen ursprünglich aus dem Westatlantik, was man anhand der Form ihrer Frontensysteme bzw. den hohen pseudopotentiellen Temperaturen erkennen kann. Während das erste Tief ein stark gekrümmtes Frontensystem besitzt, das geringfügige Ähnlichkeit mit einer Hammerkopffront aufweist, hat das zweite Tief noch ein relativ stumpfwinkliges Frontensystem - das Anfangsstadium einer Frontalzyklogenese.

Montag mittag, 12 UTC

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Es kommt Bewegung in die Nordatlantikküche, die Köche sind die angesprochenen Zyklogenesen, die Besucher des Restaurants sind wir, die da unter dem ausgeprägten Höhenrücken über Mitteleuropa sitzen und gar nichts von den Köchen da weit draußen vor dem Kontinent wissen.

Das Bodentief des zweiten, energiereicheren Tiefs liegt nun vor der scharf gekrümmten Trogachse, zunehmend unter heftiger Krümmungs- und Scherungsvorticity, die das Tief vertiefen lässt. Relevant für den weiteren Wetterverlauf in unseren Breiten ist aber auch das abgeschlossene Höhentief über der Davisstraße, das sich weiter nach Süden verlagert.

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Im Bodendruckfeld ist von dem ersten Tief kaum noch etwas zu sehen, das Frontensystem hat sich deutlich verschmälert, beeinflusst aber noch mit Niederschlägen den Norden Mitteleuropas.
Das zweite Tief hat ein voll ausgeprägtes Frontensystem - strenggenommen befindet sich eine zweite Warmfront nordostwärts der ersten Warmfront. Wann immer etwas nach doppelten Fronten ausschaut, sollte man nach zwei Jetstreams Ausschau halten, die hier auch gegeben sind (nicht gezeigt). Ein weiteres Indiz für a) eine ehemals tropische Entwicklung und b) eine Hammerkopfzyklogenese - um in der kulinarischen Bildsprache zu bleiben - eine "T-Bone"-Zyklogenese:

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Dienstag mittag, 12 UTC

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Der Höhepunkt der rapiden Zyklogenese wird mit rund 966 hPa erreicht. Je nach Modellauf wird das noch etwas schwanken, zwischen 960 hPa und 970 hPa sollte sich der Kerndruck aber einpendeln. Er liegt dann knapp unterm Höhentief, d.h. Bodentief und Höhentief stehen achsensenkrecht und die Vorticityadvektion überm Bodentief beträgt Null. Eingekastelt der mächtige Warmluftberg, den das Sturmtief vor sich herschiebt. Während Mitteleuropa unter Hochdruckeinfluss vorübergehend flächig Beruhigung erfährt, tobt über Irland und Schottland sowie Teile Englands und Wales ein heftiger Herbststurm. Mangels Höhenkaltluft wird sich aber keine tornadoträchtige Kaltfront bzw. Rückseite ausbilden - es bleibt bei kräftigem, langanhaltenden Regen.

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Die Kaltfront des Sturmtiefs dehnt sich wie eine Ziehharmonika auseinander und bringt selbst unter dem Ostatlantikhoch noch tiefe Bewölkung.

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Bemerkenswert ist der starke Kontrast von positiver und negativer Vorticityadvektion,
massives Aufstiegen entlang der Kaltfront und am Okklusionskopf, starkes Absinken
hinter der Kaltfront und im Trogsektor, zusätzlich ist die Kaltluftadvektion postfrontal
stärker als in der Höhe, entsprechend fällt die typische Rückseitenkonvektion im Trog
eher schwach aus bzw. fehlt gänzlich.

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Nicht nur die Vorticityadvektionen verdienen Beachtung, sondern auch die Querzirkulation am gesamten Frontensystem. Die Skala bzw. Einheit braucht uns nicht zu interessieren, vereinfacht gesagt - je stärker der Farbkontrast, desto heftiger die frontogenetische (d.h. frontenaktivierende) Querzirkulation (Hebung - Absinken).

Ich mache einen Zeitsprung - 2 Tage später

Donnerstag, 12 UTC

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Das Sturmtief ist weiter zur Karahalbinsel gezogen, Hochdruckeinfluss hat sich in ganz West- und Mitteleuropa etabliert. Die zurückgehende relative Topographie deutet aber Kaltluftadvektion an. Eindrucksvoll zweifelsohne das abgetropfte Höhentief auf dem Nordatlantik, das auf seiner Vorderseite eine kleinräumige, aber recht intensive Bodenzyklogenese ausgelöst hat. Das Bodentief ist sozusagen in dem Kaltluftei gefangen und dreht sich in einem recht eng begrenztem Radius. Das geht nur bei hoher Krümmung der Strömung, wodurch das Tief rasch seinen Höhepunkt erreicht, weil es sich durch die Kaltluftadvektion von der energiereichen Warmluftzufuhr in den Kern abschneidet.

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Am Donnerstag mittag dürften Synoptikerherzen höher schlagen und die Satellitenbildfreaks einen visuellen Orgasmus erfahren. Von Finnland bis zur Biskaya erstreckt sich die - mehr oder weniger - wetteraktive Kaltfront des ehemaligen Sturmwirbels, die Deutschlands Luftmassen in eine spätsommerliche im Süden und eine frühherbstliche im Norden aufteilt. Das Nordwestatlantiktief befindet sich gleichzeitig an seinem Höhepunkt. Die starke Krümmung und der zugehörige Jetstreak bedingen heftige Kaltluftadvektion östlich von Neufundland, die auf der Karte wie ein ausfließender Gletscher ausschaut.

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Freitag nacht zieht die Kaltfront unter Abschwächung nach Süddeutschland, der Hochdruckeinfluss festigt sich. Das Nordwestatlantiktief begeht Selbstmord, indem es sich einstranguliert und von der hohen absoluten Feuchte abschneidet. Der Tod des Wirbels war ohnehin unvermeidbar, da es unter dem Höhentiefei gelegen keine PVA mehr erfahren konnte, doch ohne Dynamik und ohne Energie ist der rasche Zelltod vorprogrammiert.

Ausblick

In der zweiten Wochenhälfte wird sich entscheiden, ob der Spätsommer bei uns erhalten bleibt (sieht man von dem Regen in Norddeutschland am Montag, und der Bewölkung/geringem Regen am Do/Fr über Mittel/Süddeutschland ab) , oder ob sich an der Ostflanke des Hochdruckgebiets erneut Tiefdruckwetter einstellt.

Der Knackpunkt ist markiert:

GFS 12z

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EZ 12z

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Das EZMWF-Modell rechnet das cut-off-Sturmtief viel schwächer, dafür den Höhentrog südöstlich von Neufundland stärker (der Abtropfvorgang ist schwächer, dadurch bleibt die Krümmung an der Trogachse des abtropfenden Höhentrogs länger erhalten). Das zugehörige Bodentief kann sich dadurch stärker vertiefen und rutscht im Anschluss am Buckel des Höhenhochs "herunter" nach Süden, womit planmäßig das nächste Wochenende wandertechnisch beschissen wird (man möge mir diesen subjektiven Ausrutscher verzeihen...).

Bei GFS ist der Trog flacher und das Bodentief nur als zyklonale Delle sichtbar. Der Dolch, den der Trog ausführt, kann nicht so tief in den Rücken des Hochs einstechen, um bis zu uns vorzustoßen, sehr bildlich ausgedrückt.

Fazit:

Der Fortbestand der sich erst ab morgen/übermorgen etablierenden Hochdrucklage über die Wochenmitte hinaus ist noch nicht in trockenen Tüchern. Die Aktivität der Kaltfront über Deutschland kann zumindest vorübergehend dichtere Bewölkung und vereinzelt auch geringe Regenfälle über dem mittleren und südlichen Deutschland bringen, der Alpenraum kann noch von dem Südosteuropatrog mit Quellwolken bepflanzt werden, sodass in der zunehmend wärmeren Luftmasse eine gänzlich ungetrübte Fernsicht nicht gesichert ist. Und das kommende Wochenende ist überhaupt sehr unsicher. Mit Aussagen wie "Ab jetzt 7-10 Tage ungestörtes Hochdruckwetter" wäre ich persönlich sehr, sehr vorsichtig....

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