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Großwetterlage am 14.12.2009, 18 UTC, Satellitenbild von Satreponline (Überlagerung von RGB und 500 hPa Isohypsen):
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Die Großwetterlage bietet einen ungewöhnlichen Anblick, sowohl von der Isohypsenverteilung als auch von der sehr weit südlich verlaufenden Frontalzonen. Da sticht als erstes der meridional verlaufende Höhenrücken mit der abgeschlossenen Hochzelle über Island ins Auge, der Europa hermetisch vom atlantischen Geschehen abriegelt. Dieser Zustand wird freilich nicht von Dauer sein, da der "Fuß" des Höhenrückens, also dessen Südteil, schwächelt und sich von den Azoren her ein ausgedehntes Tiefdrucksystem nähert. Dieses wird zu Wochenmitte mit einer Warmfront die Iberische Insel erreichen und könnte im nordspanischen Gebirge für Schneefälle sorgen.
Bis dahin aber dominiert weiterhin Kaltluftadvektion in weiten Teilen Nord-, Mittel- und Westeuropas, gekennzeichnet durch die sehr tiefe (dunkle) Bewölkung, meist Stratus oder Stratocumulus. Das bedeutet gleich mehrerlei: die Wolkenobergrenzen sind sehr niedrig, entsprechend verteilt sich wenig Feuchte auf die niederschlagsfähige Schicht, der Gehalt an niederschlagbaren Wasser ist sehr gering, da die Luft auch absolut sehr trocken ist. So zeigen die 12z-Aufstiege vom 14.12.2009 von Russland bis Frankreich verbreitet PWATs zwischen 2 und 7mm. Zum Vergleich: im Sommerhalbjahr werden 30-40mm erreicht. Dieser Umstand erklärt auch, weshalb die Neuschneemengen seit Beginn der Kälteperiode eher verhalten ausfielen, sieht man von prädestinierten Nord(ost)staulagen ab. In Innsbruck flockte es heute morgen ca. 1-2mm aus dem Hochnebel, da Taleinwind vom Unterinntal sowie Talauswinde vom Wipptal und Oberinntal bei Innsbruck aufeinanderprallten und eine lokale Konvergenz erzeugten. Sieht man von derartigen privaten Konvergenzzonen ab, bleibt es beim Hochnebeleinheitsgrau.
Nicht überall ist das Wetter aber derart fad, so erregen zwei Tiefdruckgebiete im Mittelmeerraum die Aufmerksamkeit. Sie weisen voll entwickelte Frontensysteme auf (s.u.). Das westliche Tief hat bereits einen abgeschlossenen Höhentiefkern, das dadurch erniedrigte Geopotential gestaltet die Fronten rein konvektiv. Interessante Eigenschaft hierbei: die Kaltfront über Algerien verläuft in seiner Achse parallel zur Höhenströmung - oder anders gesagt: die Kaltfront bewegt sich senkrecht zur Höhenströmung. Das erzeugt Schwerewellen, dadurch kommt das gerippte Wolkenmuster zustande.
Das östliche Tief wird sich noch leicht vertiefen, da trogvorderseitig gelegen. Wetteraktiv sind hier entsprechend der Entfernung zur Trogachse nur die Okklusion sowie die Warmfront auf der kräftigen Warmluftadvektion. An der kroatischen Küste stellt sich ob des starken Ost-West-Druckgradienten Bora ein.
Sonst ist vielleicht noch ein kleines Tief über den Britischen Inseln erwähnenswert, das der Inseln bei +3 bis +7°C leichte Regenfälle bringt. Weiters die langgestreckte Trogachse von dem Höhentief über Nordrussland, die über Polen bis Nordspanien reicht. Diese schwache zyklonale Aktivität ist für die zumindest tiefe Bewölkung auf dem Kontinent verantwortlich, wenn auch mangels Feuchte in höheren Schichten kaum Niederschlagsgebiete entstehen.
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Die zugehörige Thetae + Bodenkarte zeigt die kalten und absolut recht trockenen Luftmassen über weiten Teilen Europas. Diesen Kaltluftberg gilt es von der eventuell in der Mittelfrist wieder durchgreifenden Westdrift erst zu bezwingen, ehe es auch bodennah deutlich milder wird. Erfahrungsgemäß haben die Modelle das Ausräumen der Kaltluft schlecht im Griff und rechnen ein zu schnelles Zurückweichen der Kaltluft bzw. des entsprechend hohen Luftdrucks. So läuft das atlantische Doppeltiefsystem auf dem langgestreckten Bodenkeil auf, wenngleich sich hier allmählich eine Änderung vollzieht: Das südliche Tief läuft in das nördliche Tief rein und am Okklusionspunkt bildet sich ein Teiltief, das sich dann losgelöst vom Muttertief nach Portugal bewegt. Dadurch verbindet sich die Frontalzone im Atlantik wieder mit der im Mittelmeerraum, wenngleich das alles viel südlicher als im klimatologischen Mittel geschieht.
Der starke Druckgradient über Ostspanien ist mehr als außergewöhnlich. Die EZ 00z-EFIs (Extreme Forecast Index) zeigten Werte von 0,7 bis 1, sprich, in der EZMWF-Modellklimatologie gab es bisher erst sehr selten oder noch nie (1) so starke Winde. Für Dienstag und Mittwoch springt natürlich auch der Temperatur-EFI an, er zeigt über Spanien und Frankreich -0,7 bis -0,9 - also (modell-)klimatologisch ungewöhnliche Kälte.
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Auch der Jetstream in 300 hPa zeigt ein unaufgeräumtes Bild - der Subtropenjet und Polarfrontjet kommen über den Azoren und Nordafrika zusammen. Arm an Strahlströmen präsentiert sich Europa, wo sich nur kurze und schmale Starkwindbänder entwickeln können. Wenig Höhenwind und kaum Isohypsenkrümmung bedeuten wenig differentielle Vorticityadvektion, also gradientschwache Lage ("Barosumpf" im Meteorologenjargon). Entsprechend können keine signifikanten Hebungsprozesse entstehen, die Zyklogenese bzw. bedeutende Niederschlagsfelder resultieren lassen.
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Zuletzt ein Blick auf die Nordhemisphäre
In 850 hPa ist die Kaltluftmasse mit drei Zentren versehen, wobei sich die klimatologisch nicht unüblichen Schwerpunkte über Kanada-Arktis, Westrussland und Sibirien befinden. Bemerkenswert ist die Kälte über Westrussland mit unter -30°C in 850 hPa und der mächtige Warmluftvorstoß bis nach Grönland, der durch eine klassische Omegalage gekennzeichnet ist und in den nächsten Tagen zur Hoch- über Tief-Lage umgebaut wird. Mittelfrist scheint sich nach den 12z-Läufen das abgeschnürte Warmlufthoch über Island langsam retrograd zu verlagern und die Frontalzone wieder geschlossen von Neufundland bis Mittelmeerraum zu verlaufen. Dann gibt es mehrere Optionen, wie sich diese meridionale Lage auflöst. Nordwestlage, Trog Westeuropa oder im winterlichsten Fall ein Tief über dem Mittelmeer, das unter Verstärkung ostwärts zieht und auf seiner Rückseite nochmal einen Schwall eisige Arktikluft nach Mitteleuropa befördert. Die genannten Varianten wurden von den Modellen schon im Mittelfristbereich gezeigt. Um weiteren Spekulationen über Mittelfrist vorzubeugen - da dies hier ein Kurzfristbeitrag ist - sei lediglich gesagt: es bleibt in den nächsten kalt, bis auf wenige Regionen im Tiefland bei Dauerfrost, und von Hochnebelschneefällen abgesehen, auch zunächst trocken. Erst um Wochenmitte herum könnte das östliche Mittelmeertief geringe Aufgleitschneefälle bringen.
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