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Aktuelle Lage
Ein Blick auf das Satellitenbild von sat.24.com von 19.45 UTC
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Hinter der abziehenden Kaltfront eines sich noch geringfügig vertiefenden Osteuropatiefs steigt der Luftdruck über Mitteleuropa langsam an. Die Kaltfront zeigt von Rumänien westwärts einen "split-front"-Charakter, mit hochreichender Bewölkung Richtung Schwarzmeerküste und relativ seichten Wolkenobergrenzen (grau) am Nord/Westbalkan. Ursache ist der rasch ostwärts voranschreitende Kurzwellenkeil, welcher sich zum Zeitpunkt der Satellitenbildaufnahme von Frankreich über die Nordsee bis zur Norwegischen See erstreckt. An seiner Vorderseite wirkt antizyklonale Vorticityadvektion mit großräumigen Absinken und Erwärmung in den mittleren Schichten. Im Kernbereich des Höhentrogs über Polen findet dagegen noch hochreichende Feuchtkonvektion statt, die von "mesoscale" in der gestrigen Estofex-Vorhersage mit einem "Level" gelabelled wurde (Gefahr von vereinzelten Superzellentornados und schweren Sturmböen).
Bei Island befindet sich ein bereits weitgehend okkludiertes Tiefdruckgebiet, dessen Frontensystem relativ unaufgeräumt wirkt. Über den Britischen Inseln hat sich eine Warmfront"schuppe" abgelöst, was dem in der synoptischen Satellitenmeteorologie bekanntem Feature einer "detached warm front" ähnelt. Ich sage bewusst ähneln, weil die Schlüsselparameter lt. dem "Manual of synoptic satellite meteorology" nicht vorhanden zu sein scheinen. Wenn man die Entwicklung dieses Systems zurückverfolgt, dann stellt man fest, dass es sich um eine Art neue Warmfrontbewölkung handelt, das System aber an sich schon früh okkludiert war.
Jedenfalls wird nur schwach wärmere Luft herantransportiert, und mit der Überlagerung durch den nachfolgenden Kurzwellentrog wird der "Warmsektor" im Bereich dieser Warmfrontschuppe wohl weiter an typischer Kontur verlieren (konvektiver werden).
Das für die kommende Entwicklung in Europa ausschlaggebende System ist eine Orkantiefentwicklung über dem Nordatlantik, die sich hier durch den ostwärts ausgreifenden Warmfrontschild abzeichnet.
Weitere Entwicklung bis Sonntag abend
500hPa-Geopotential + relative Topographie + Bodendruck, Freitag, 18 UTC
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Die Großwetterlage zeigt ein stark verwelltes Muster über dem nordatlantisch-europäischen Raum, die planetare Wellenzahl der Nordhemisphäre ist gegenwärtig mit 7-8 Kurzwellen sehr hoch und deutet auf ein stark progressives Muster hin (rasche Verlagerung von Tiefdruckwirbeln mit dem zonalen Grundstrom).
Zwischen dem abziehenden Trog über Osteuropa und dem von den Britischen Inseln nachfolgenden Trog stellt sich vorübergehend Keileinfluss in Mitteleuropa ein.
500hPa-Geopotential + relative Topographie + Bodendruck,Samstag , 18 UTC
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Im Laufe des morgigen Samstags schwächt sich der Keileinfluss schon wieder ab und ein schwacher Kurzwellentrog greift auf das nördliche Mitteleuropa über, dessen zugehörige Bodenfront (okklusion) der Trogachse vorausläuft (erkennbar an den zyklonal gekrümmten Isobaren, die vor der Trogachse liegen). Dies wird am Sonntag Auswirkungen in Form einer Teiltiefbildung haben.
Die flache Tiefentwicklung im süddeutschen Raum, die an einer inaktiven Luftmassengrenze dort zustande kommt und durch die Trogvorderseite zunächst dynamisch gestützt ist, wird vorauss. keine Niederschläge bringen.
Bemerkenswert ist eine ex-subtropische Tiefentwicklung über dem Ostatlantik, die trotz der Konstellation der Trogachse und dem Bodentief eine deutliche Verstärkung erfahren wird.
850hPa-Theta-e-+Bodendruck, Samstag, 18 UTC
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Das angesprochene Teiltief in der Bildung im Lee des norwegischen Gebirges sowie das komplexe Frontensystem auf dem Atlantik mit zwei Tiefdruckgebieten. Die symmetrische Struktur des ehemals (sub)tropischen Sturms ist noch deutlich sichtbar.
500hPa-Geopotential + relative Topographie + Bodendruck,Sonntag , 06 UTC
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Die Wellenzirkulation zonalisiert zunehmend über dem nördlichen Atlantik und Nordeuropa, mit rasch laufenden Kurzwellen. Das Bodentief mit 970hPa auf dem Ostatlantik verlagert sich langsam auf die Vorderseite des zugehörigen Kurzwellentrogs und gerät damit in ein Gebiet mit starker zyklonaler Vorticityadvektion (Hebungsantrieb), auch die intensive Warmluftadvektion hat hier ein Wörtchen mitzureden.
850hPa-Theta-e-+Bodendruck, Sonntag, 06 UTC
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Über der Ostsee ist weiterhin die Randtiefbildung zu sehen, die sich aufgrund der starken Orkantiefentwicklung, die den Trog nach osten rutschen lässt, aber wieder abschwächen wird.
Nachfolgend das zerfledderte Frontensystem des Orkantiefs, mit einer neuen Warmfront (gestrichelt), einem schmalen (alten) Warmsektor und einer verwellten Kaltfront des ehemals nördlichen Tiefs, das jetz westlich des Orkantiefs liegt und zunehmend in dessen Zirkulation einverleibt wird.
500hPa-Geopotential + relative Topographie + Bodendruck,Sonntag , 06 UTC
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In weiten Teilen Südeuropas dominieren schwache Druckgegensätze, während die Frontalzone in Nordeuropa aktiv bleibt. Die Orkantiefentwicklung erreicht langsam ihren Höhenpunkt, da Trogachse und Bodenkern nun achsensenkrecht liegen (= Ende der Advektion in der Höhe).
850hPa-Theta-e-+Bodendruck, Sonntag, 18 UTC
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Das Randtief über der Ostsee okkludiert rasch, die neue Warmfront des Orkantiefs erreicht bereits Skandinavien und das ehemals nördliche Tief (s.o.) füllt sich in der Nähe des Orkantiefs auf. Die Kaltluft auf der Rückseite des gesamten Systems gelangt in zwei Kaltfrontstaffeln nach Südosten.
In das nördliche Mitteleuropa wird deutlich wärmere Luft advehiert, die bereits zu ersten (leichten) Niederschlägen führen kann.
Ausblick auf die nächsten Tage
Am Montag setzt sich im Warmsektor des Orkanwirbels über der Norwegischen See die hochreichende Warmluftadvektion fort und es kommt zu einem markanten Temperaturanstieg über Mittel- und Westeuropa. Unter antizyklonalem Einfluss bleibt es aber in Deutschland und dem Alpenraum trocken.
Am Dienstag überqueren zwei Kaltfronten (ähnlich zu gestern) Deutschland von Nordwesten nach Südosten und verwellen dabei über Frankreich/Alpenraum. Die erste Kaltfront gehört zum Orkantief, die zweite Kaltfront zum ehemals nördlichen Tief (s.o.). Die Niederschläge sollen dabei nach jetzigem Stand recht intensiv ausfallen. Der horizontale Temperaturunterschied liegt nach GFS 12z in der Nacht zu Mittwoch zwischen +11°C im Wiener Becken und -2°C in Emsland (850hPa).
Die Standardabweichung bei GFS zeigt bis Montag 12z für weite Teile des zentraleuropäischen Kontinents eine sehr sichere Entwicklung des Wettergeschehens wie oben beschrieben. Größere Unsicherheiten bestehen in der genauen Zugbahn und Intensität des Orkantiefs. In der Folge nimmt die Standardabweichung entsprechend deutlich zu.
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