Synoptische Analyse zur Orkantiefentwicklung vom 21-23.Januar 2008
Das sich am 21. Januar entwickelnde Orkantief mit rund 945hPa, in Vorläufen auch bis 933hPa gerechnet, ist paradoxerweise zu klein, um die Großwetterlage so zu verändern, dass wir längere Zeit winterliche Gefühle entfalten können.
Grundsätzlich gilt - je größer ein Wirbel, desto ausgedehnter die Luftmassenadvektion. Kleine Wirbel führen zwar meist intensivere Warm- oder Kaltluft heran, aber nur für einen kurzen Zeitraum, da kleine Wirbel von größeren Wirbel gesteuert werden und somit in eine Zirkulation eingebettet sind, die Zirkulation selbst aber nicht verändern.
Dasselbe Schicksal widerfährt nun dem Orkantief auf dem Nordatlantik, welches sich vor ein paar Tagen nach dem GFS-Lauf noch zu einem umfangreicherem Tiefdruckwirbel hätte mausern sollen. Es wäre dann in der Lage gewesen, einen blockierenden Keil auf dem Nordatlantik aufzubauen, der die atlantische Westdrift von uns abgeschnitten hätte und uns für längere Zeit unter Zufuhr von polarer Kaltluft gesetzt hätte.
Die zu ideale Konstellation von rückseitig vorstoßendem Höhentrog, extremen Jetstreakauszug und auf der Trogvorderseite gelegenem Bodentief macht diese nachhaltige Winterhoffnung aber nun zunichte.
Mit 985hPa zieht das Tief weiter nordostwärts.
6h später bereits bei 970hPa
und weitere 6h später bei ca. 955hPa
abermals 6h nun 950hPa
und der Höhepunkt bei 945hPa, was einen Kerndruckfall von 40hPa in 24h ausmacht.
Diese "rapid cyclogenesis" lässt das Orkantief rasch auf die kalte Seite der Frontalzone gelangen, wo es in den Bereich des umfangreichen Kaltluftkörpers bzw. des riesigen Höhentrogs gerät und damit unter schwacher Höhenströmung. Es verlässt somit die Hauptfrontalzone und den damit verbundenen Jetstream und wird nicht mehr weiter ostwärts advehiert. Zusätzlich zur endenden Advektion des Tiefdruckwirbels selbst reißt auch die Luftmassenadvektion rasch ab:
Infolge der rapiden Entwicklung bildet sich ein Kernsturmfeld aus, das zu einem raschen Okklusionsprozess führt. Die verbleibende Warmluftzungenadvektion reicht nicht mehr aus, um den stromabwärtigen Keil zu stützen. Zusätzlich :
ist die Advektion Südwest-Nordost gerichtet und damit im 45°-Winkel zum Keil gerichtet, was diesen nicht weiter aufwölbt, sondern im Gegenteil immer mehr glattbügelt. Günstiger für einen blockierenden Keil wäre eine parallel zur Keilachse verlaufende Warmluftadvektion,d.h. in Süd-Nord-Richtung, die hier aber nicht gegeben ist.
Fazit der gesamten Tiefdruckentwicklung ist, dass sich am Grundmuster der Großwetterlage nichts ändert und nach kurzem Kaltluftvorstoß um Wochenmitte zunächst Keileinfluss und dann erneut Tiefdruckeinfluss vom Atlantik her mit wieder milderen Luftmassen droht.
Eine Umstellung wäre dann möglich, wenn sich das gesamte niedrige Geopotential auf dem Nordwestatlantik nach Osten verlagern würde. Dies geht aber nur mit der Verlagerung des Bodentiefs selbst und nicht wenn das Bodentief zu schnell in das niedrige Geopotential hineinwandert, davon absorbiert wird und dann stationär bleibt -> "status quo".
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