18. Januar 2007 -- Superzyklone Kyrill - Synoptik eines zerstörerischen Orkans

Felix Welzenbach

Innsbruck, 07. Februar 2007

Am Donnerstag, 18. Januar 2007 zog vom Nordatlantik kommend ein kräftiges Orkantief über West- und Mitteleuropa hinweg und richtete dabei verbreitet schwere Schäden an. Der Orkan forderte europaweit deutlich über 40 Todesopfer, davon 13 in Deutschland. Erstmals in der Geschichte der Deutschen Bahn wurde dessen Betrieb in ganz Deutschland eingestellt. Dank der ausgezeichneten Modellrechnungen, die den Orkan beinahe einhellig bereits sieben Tage vor dem Eintreffen in unvermindert hoher Stärke prognostiziert hatten, konnten frühzeitige Unwetterwarnungen von Deutschem Wetterdienst und Meteomedia herausgegeben werden, sodass sich die Opferzahlen noch in Grenzen hielten. Dennoch kam es zu erheblichen Schäden auch in den Großstädten, besonders im Ruhrgebiet, aber auch in Berlin, wo die Glasfassade des neu errichteten Berliner Hauptbahnhofs einzustürzen drohte.

Verherrende Folgen hatte der Orkan für die Forstbestände, wo alleine in Deutschland über 20 Millionen Kubikmeter Holz dem Sturm zum Opfer fielen, die größten Schäden entstanden in Nordrhein-Westfalen und in Sachsen. Die Windgeschwindigkeiten erreichten auch im Flachland verbreitet Orkanstärke, in Berlin wurden 146km/h gemessen, in Düsseldrof 144km/h. Die Bergstationen überwanden die 200er-Marke : Wendelstein (1832m) 202km/h, Feuerkogel (1592m) 207km/h und 224km/h am Schweizer Aletschgletscher (Konkordiahütte).

Es war der erste Orkan seit dem 28. Oktober 2002 (Orkantief "Jeanett"), welches ganz Deutschland mit Orkanböen beeinflusste. Im Gegensatz zu Orkan "Lothar" an Weihnachten 1999 waren die verbreiteten Spitzenböen zwar niedriger, aber die Dauer des Sturms bei Kyrill viel länger.

In diesem Artikel möchte ich ausführlich auf die synoptische Entwicklung des Orkans von Neufundland kommend bis zur Auflösung über Osteuropa eingehen. Dabei werden überwiegend Reanalysiskarten von wetter3.de verwendet. Im Anschluss soll die visuelle Entwicklung von Kyrill anhand von Satellitenbildern erläutert werden. Zusätzliches Material in Form von Vertikalsondierungen, Blitzraten und spezielle Vorhersagekarten betreffend konvektiver Unwetter werden ebenfalls verwendet.


Gliederung

  1. Synoptische Entwicklung von Kyrill
  2. Kyrill in Satellitenbildern
  3. Eine sommerliche Kaltfront
  4. War Kyrill vorhersehbar?

© Felix Welzenbach