ein paar Takte zur aktuellen Entwicklung - bezogen aber auf die 12 UTC-Analysen
Das VIS-Satellitenbild von Dundee, zeigt um 12 UTC einen breitflächigen Aufgleitschirm über ganz Deutschland, aus dem immer wieder Regen, am Nordrand der Mittelgebirge, besonders Erzgebirge, auch verstärkt, fällt. Südlich der Alpen herrscht Föhn. Infolge der Alpenüberströmung entstehen dabei zahlreiche Wellenstrukturen.
Die Kaltfront der Zyklone ist recht wetterintensiv ausgeprägt und zeigt einen starken Temperaturrückgang (siehe Marcos Beitrag), postfrontal treten zahlreiche Schauer- und Gewitter, überwiegend linienförmig angeordnet auf. Hier besteht das bereits erwähnte erhöhte Potential für schwere Fallböen (Downbursts), die schadensträchtige Geschwindigkeiten über 100km/h erreichen können.
Von Nordwesten her erstreckt sich eine fast wolkenfreie Zone, die auf eine Dry Intrusion zurückgeführt werden kann.
Im Folgenden ein paar Karten zur Veranschaulichung :
Die 500hPa-Karte zeigt eine verwellte Höhenströmung über dem Nordatlantik, die mit einem ausgedehnten Langwellentrog über Osteuropa nach Südosten geführt wird. In die Westflanke des Langwellentrogs sind kurzwellige Störungen eingebettet, wovon jene über Nordpolen ein starkes zyklonales Krümmungs- und Scherungsmaximum aufweist, dass mit der Nordwestströmung advehiert wird. Im Bereich der stärksten Advektion unmittelbar an der Vorderseite (gleich bedeutend mit Druckfall am Boden) befindet sich auch das Bodentief, welches zu diesem Zeitpunkt entsprechend noch einer Vertiefung unterliegt.
Über Benelux befindet sich ebenfalls noch ein kleiner Kurzwellentrog, der jedoch wegen der Lage auf der Keilvorderseite mit weitgehend antizyklonaler Krümmung und schwachem Isohypsengradient nicht wetterwirksam werden kann. Die synoptischskalige Druckkonstellation mit einem Höhenhoch über den Britischen Inseln und einem Höhentief über dem Ostatlantik wird auch als "High-over-Low"-Lage , zu deutsch "Hoch-über-Tief"-Lage oder Dipolsituation bezeichnet. Gewöhnlich sind solche Lagen recht stabil, hier aber wird der Langwellenkeil durch die verwellte Höhenströmung langsam ostwärts abgedrängt, zudem ist das Höhentief ein ausgedehnteres Tiefdrucksystem, von einem Übergewicht des Hochs (gegen)über des Tiefs kann man hier also nicht mehr sprechen. Aber das nur am Rande.
In den ThetaE-Karten erkennt man ein Bodentief mit 1000hPa Kerndruck über Nordpolen, das einen kurzen Warmfrontteil und eine scharfe Kaltfront aufweist, die mildere Nordseeluft von kalter Festlandluft trennt. Die Kaltfront geht nahtlos in eine Warmfront des Orkanwirbels bei Island über, das bereits in der Okkludierungsphase, d.h. Auffüllungsphase angelangt ist. Dessen Kaltfront wiederum ist über dem Nordatlantik stark verwellt - eine Wellenzyklogenese ist bereits in Gang. Unter weiterer Vertiefung wird diese Zyklone ostwärts bis Skandinavien ziehen und in ein umfangreiches Tiefdrucksystem aufgenommen werden.
Im Mitteleuropaauschnitt sieht man nicht nur sehr schön die Warm- und Kaltfronten anhand des Isentropengradienten, sondern auch den Verlauf der Okklusion über den Tiefdruckkern hinaus, der durch eine ThetaE-Zunge markiert wird.
Als Letztes noch eine Prognosekarte für t+6h, welche die oben erwähnte Dry Intrusion verdeutlicht.
Sie befindet sich über der westlichen Ostsee und erstreckt sich genau rückseitig der Kaltfront bis vor den Kern der Bodenzyklone, jedoch nicht mehr darin hinein, was dafür spricht, dass keine wesentliche Vertiefung mehr zu erwarten ist. Blau und grau gefärbt ist die Luftfeuchte, blau steht für hohe Luftfeuchten, dunkelblau für sehr niedrige. Dargestellt sind außerdem die Linien gleicher potentieller Temperatur (Isentropen), entsprechend dem trockenadiabatischen Temperaturgradienten. Wie man sieht, fallen sie im dem eingerahmten Bereich mit der Dry Intrusion steiler ab als im feuchteren Bereich. Die vergleichsweise hohen potentiellen Temperaturen in der Höhe werden also durch eine Dry Intrusion bis in tiefere Schichten hinabgeführt. Entgegen des Katastrophenreißers "The Day after Tomorrow" stürzt dabei aber keine eisige Kaltluft nach unten, sondern die Luft erwärmt sich trockenadiabatisch und führt dadurch zur Wolkenauflösung.
Dieser Vorgang kann auch durch die isentrope potentielle Vorticity beschrieben werden, eine Erhaltungsgröße, und erklärt die Vertiefung von Bodenzyklonen in Zusammenhang mit Dry Intrusions, indem potentielle Vorticity auf die Vorderseite des Troges geführt wird und durch Hebung "freigesetzt" wird (das ganze ist etwas komplizierter, als jetzt anschaulich skizziert). Merken kann man sich als Laie oder ganz allgemein, dass diese Dry Intrusions häufig in Verbindung mit markanten Wettererscheinungen bei Bodenzyklonen stehen und fast immer bei Extremzyklogenesen (mind. 24hPa Druckfall in 24h) zu finden sind.
© Felix Welzenbach