Hallo,
kurz zu zwei interessanten Entwicklungen auf dem Nordatlantik,die unter unterschiedlichem Vorzeichen beginnen :
Quelle: https://afweather.afwa.af.mil/weather/satellite.html
Das IR-Satellitenbild von 8 UTC zeigt ein mehrfach okkludiertes Orkantief
südwestlich von Island mit einem breiten, sehr labilen Trogsektor zwischen Island und Schottland sowie einer fast strömungsparallelen Kaltfront, die sich nur langsam südostwärts verlagert. In einem immer schmaler werdenden
Warmluftsektor steigen die 850hPa-Temperaturen von etwa -2 auf bis zu +4°C an, rückseitig der Kaltfront sinken sie aber bereits wieder auf Werte um -3°C. Rückseitig der Kaltfront befindet sich über Irland und Nordengland sowie Schottland eine markante Trockenzunge, die sich im Tagesverlauf immer weiter nordostwärts schiebt. Über Nordskandinavien deutet sich damit eine schwache Randtiefentwicklung an, die im Bodenfeld schlecht, in der 700hPa-Feuchte recht gut erkennbar
ist.
Über Marokko hat sich ein Höhentief mit zugehörigem Bodentief abgeschnürt ("cut-off low") ,auf dessen Vorderseite der Subtropenjet zu kräftiger Warmluftadvektion führt. Rückseitig strömt vom Seegebiet vor Portugal recht kühle und trockene Luft heran. Das Höhentief bleibt auch in der kommenden Woche sehr beständig und zieht allmählich in den zentralen Mittelmeerraum.
Östlich von Neufundland hat sich vorderseitig eines schwachen Kurzwellentrogs ein Randtief entwickelt, das einen schmalen Warmsektor besitzt und wo rückseitig der Kaltfront sehr kalte und trockene Luft advehiert wird. Die 850-Temperaturen gehen dabei bis auf -20°C zurück, die ThetaE-Werte sinken in der Davisstraße bis unter -15°C. Diese Randtiefentwicklung soll ins gleich noch näher beschäftigen. Eine künftige Randtiefentwicklung liegt jetzt als außertropische Welle zwischen 30. und 40. Breitengrad und weist das Aussehen eines Kaimans auf. Es ist durchweg konvektiv durchsetzt und bringt mit über 50mm in 6h sehr kräftige Niederschläge. Im Bodendruckfeld ist das System noch nicht auszumachen, in der Höhe liegt hier ein schwacher Trog, auf dessen Vorderseite das System allmählich stärker wird. Diese Entwicklung soll später ebenfalls einer genaueren Untersuchung zuteil werden.
Die Ausgangslage um 6 UTC zeigt eine relativ geschlossene Höhenströmung über dem Nordatlantik mit einem steuernden Zentraltief über Island und mehreren, eingebetteten Kurzwellenstörungen stromauf- und abwärts. Die Haupttrogachse passiert gerade die Britischen Inseln und bringt hochreichende Feuchtkonvektion mit Schauern und Gewittern. Südlich von Neufundland folgt ein relativ flacher Kurzwellenkeil danach, östlich von Neufundland ein etwas steiler gekrümmter Kurzwellentrog, auf dessen Vorderseite besagte Randtiefentwicklung eingesetzt hat.
Im ThetaE-Feld (schlecht gezeichnet wegen kaputter Maus im Paint-Programm) erkennt man den schmalen Warmsektor über der Nordsee und die langgestreckte Kaltfront mit relativ breitem Isobarenabstand, was ein Zeichen einer langsamen Verlagerung mit schwacher Wellenbildung ist.
Das Randtief ist bereits stark okkludiert, der Warmsektor kaum in der ThetaE-Drängungszone auszumachen. Dominanter Faktor bei dieser Zyklogenese ist also die starke Kaltluftadvektion von Norden her, welche mit den niedrigen ThetaE-Werten aber schwer zur Zyklogenese beiträgt, es füllt sich also auch im weiteren Verlauf rasch auf und vertieft sich daher kaum noch (Energiezufuhr zum Kern quasi im Keim erstickt). Die Okklusionsfront des Tiefs überquert Dienstag mittag die Britischen Inseln mit heftigen Schauern und schweren Sturmböen. Mittwoch früh passiert sie Deutschland nur noch wenig wetteraktiv, da sich über Mitteleuropa hoher Luftdruck und steigendes Geopotential breit machen (tiefreichendes Absinken überlagert frontogenetischen Hebungsantrieb und führt zur Frontolyse)
Wie bereits erwähnt vertieft sich das System in den kommenden Stunden und Tagen weiter und wird langsam in die nordatlantische Höhenströmung eingebunden. Dabei spielt sich die für diese Jahreszeit typische T-Bone-Zyklogenese ab, welche mit der Jetkonfiguration zusammenhängt:
Südöstlich von Neufundland findet die Vereinigung von Polarfront- und Subtropenjet statt, ehe sich beide Jets in zwei Äste je über Mitteleuropa und über Nordafrika aufspalten. Das Jetmaximum erreicht dabei mittlere Winde bis 165Kn in 300hPa. Im rechten Jeteinzug befindet sich zu diesem Zeitpunkt das Bodentief und gelangt damit in einen Bereich starker Aufwärtsbewegungen. Das damit verbundene Quasigeostrophische Konzept habe ich hier bereits näher erläutert. Typisch für diese Konstellation mit der Überlagerung beider Jets, dem obertroposphärischen Subtropenjet und dem mitteltroposphärischen Polarfront ist die Ausbildung eines doppelten Frontensystem, das die Struktur eines T-Bone Steaks bzw. eines Eispickels aufweist:
Eine primäre Frontalzone befindet sich nördlich des Haupttiefs mit 997hPa und geht in die Okklusionsfront bzw. einen kleinen Kaltfrontteil der angesprochenen, ersten Randtiefentwicklung über. Eine sekundäre Frontalzone mit stark gebogener und kurz verwellter Warmfront liegt südlich davon, im Kernbereich der Bodenzyklone werden sehr hohe ThetaE-Werte erreicht, entsprechend das Tief mit viel Energie versorgt. Im weiteren Verlauf vereinigen sich primäre und sekundäre Warmfront im Kernbereich, an den Rändern laufen sie hingegen weiter auseinander. Die sekundäre Kaltfront wird zur primären Kaltfront und die primäre Kaltfront zur Okklusionsfront, welche parallel zum neuen primären Frontensystem
verläuft. Anders ausgedrückt haben wir anfangs ein baroklines Blatt (baroclinic leaf) als sekundäres Frontensystem und einen langgestreckten Wolkenkopf (Cloudhead) als primäres Frontensystem - durch die Vereinigung beider Wolkenfelder bildet sich das Bodentief heraus. Das Orkantief zieht später mit kleinräumigen Starkwindfeld um den Kernbereich (MH'scher Kernsturm) über Skandinavien hinweg. Sollte es bei dieser Intensität bleiben, wären dort verbreitet schwere Orkanböen und sicher einige Schäden zu erwarten.
Im weiteren Verlauf soll sich am Freitag an der Kaltfront eine Tiefdruckgebiet aus einer Welle bilden, das am Wochenende zu einem markanten Kaltluftvorstoß von Norden her über Mitteleuropa führen soll - dies ist jedoch noch sehr unsicher und soll in dieser Prognose auch nicht näher ausgeführt werden.
© Felix Welzenbach