Hallo,
an dieser Stelle ein Blick auf das Satellitenbild von 21 UTC sowie die Charakterisierung der aktuellen Großwetterlage:
Die 500hPa-Karte (rechts) zeigt einen Langwellenkeil über Westeuropa, dessen Hauptachse um Mitternacht die Britischen Inseln passiert. Ein in die kräftige Höhenströmung, die von Neufundland über den Nordatlantik, Britische Inseln bis nach Polen reicht, eingebetter Kurzwellentrog über Südskandinavien ist an ein sich abschwächendes Sturmtief über Norwegen gekoppelt, das weiter ostwärts zieht. Die korrespondierende Höhenkaltluft verbleibt dabei über Skandinavien, was zu einer kaum ausgeprägten Kaltfrontstruktur des Norwegentiefs führt. Die Vorderkante der Warmfront liegt um Mitternacht über Westpolen - im ausgedehnten Warmsektor fällt leichter Regen oder Nieselregen, die Kaltfront ist wegen dem fehlenden Kontakt zum Höhentrog nahezu inaktiv.
An die Kaltfront (im ThetaE-Feld links) schließt über Irland eine Warmfront an, die zu einer Randtiefentwicklung im Seegebiet westlich von Irland gehört. Sie ist an eine markante Trogachse gekoppelt. Das Bodentief liegt dabei auf der Trogvorderseite in einem Bereich starker Krümmung und somit zyklonaler Krümmungsvorticityadvektion. Der Kerndruck beträgt um Mitternacht etwa 1005hPa. Die weitläufige Ausbuchtung dieser Isobare lässt auf einen bereits einsetzenden Okkludierungsprozess schließen, was sich auch im Satellitenbild widerspiegelt:
Das Satellitenbild von AF Weather zeigt die verstreute Warmsektorbewölkung über Mitteleuropa mit einer nicht erkennbaren Kaltfront entlang der Nordseeküste. Über den britischen Inseln löst sich das Wolkenband vollständig auf, da hier die stärkste antizyklonale Vorticityadvektion knapp vor der Keilachse herrscht (man beachte die Zeitdifferenz zwischen Satellitenbild und Prognose oben). Dahinter folgt das barokline Blatt mit seiner typischen S-Form, welche durch das warme Förderband entsteht. Es steigt im Okklusions- und Warmfrontbereich auf und führt zur Kondensation mit einem hochreichenden Wolkenschirm. Gleichzeitig schiebt sich unter den Okklusionspunkt ein zweites Förderband, das kalte Förderband in niedrigeren Höhenschichten durch und steigt westlich davon auf. Dadurch entsteht das Wolkenfeld westlich des Wellenscheitels, das niedrigere Wolkenobergrenzen als das Frontalband aufweist. Dies deutet auf das nun beginnende Reifestadium der Zyklogenese hin.
Im Europaauschnitt der FU Berlin ist der Frontenverlauf beider Systeme anhand der ThetaE-Karten und der Wolkenstruktur eingezeichnet.
Ohne ThetaE-Karten, Windsprung und Bodenbeobachtungen wäre ein Fronteneinzeichnen unmöglich, abgesehen von der Okklusion, machbar.
Prognose:
Zum Höhepunkt der Entwicklung hin...liegt das Bodentief mit 975hPa (28hPa in 24h, damit per definitionem "rapid cyclogenesis") über dem Skagerrak. Im GFS 18z-Lauf damit gut 50km nördlicher als im Vorlauf. Das stärkste Windfeld erstreckt sich im Kernbereich entlang von umgebogener Okklusion und Kaltfront. Es ist an eine markante Kurzwellentrogachse gekoppelt (siehe rechts), die mit Mittelwinden bis 85Kn in 500hPa einergeht. Das Starkwindfeld läge nach diesem Lauf über Dänemark und Kattegatt mit 70-75Kn. Der vertikale Impulsfluss wäre durch hochreichende Labilität im Bereich der umgebogenen Okklusionsfront, die in den Trogsektor hineinragt, gewährleistet. Somit bestünde hier die Gefahr von Orkanböen im Bereich von 120-140km/h, örtlich auch darüber. Nach Südwesten hin schwächen sich Windfeld und Kaltfrontaktivität rasch ab, da der Höhentrog wie schon bei Orkantief "Franz" nordöstlicher abzieht. Die Niederschlagsaktivität wird jedoch auch im Nordwesten und Norden stärker als im Vorlauf gerechnet, somit wären in Norddeutschland verbreitet Windspitzen der Stärke 10 bis 11 zu erwarten, Richtung Küste auch 12. Nach Süden hin mit Kaltfrontdurchgang 8-9, in exponierten Lagen 10, vereinzelt 11.
Süddeutschland verbleibt überwiegend im Einfluss des abnehmenden Druckgradienten
und nur geringen Hebungsantriebs. Der Kaltfrontdurchgang wird hier in den Nachmittagsstunden - und damit deutlich früher als in den Vorläufen (und den anderen 0z-Läufen) gerechnet, führt aber nur zu einzelnen Schauern.
Erwähnenswert sei für Sonntag, 18z eine weitere Troglinie, die von SH über die Ostsee zieht. Der Wind nimmt dabei nochmal auf 60Kn zu und es werden auch konvektive Niederschlagssignale gerechnet. Abends und erste Nachthälfte demnach ganz im Norden nochmals Schauer mit schweren bis orkanartigen Sturmböen möglich.
Es bleibt abzuwarten, ob dieses kleinräumige Feature in den kommenden Läufen und anderen Modellen ebenso gerechnet wird.
© Felix Welzenbach