Satellitenbildanalyse - 16.11.2006 - Tiefdrucksystem auf dem Nordatlantik

kurzer Blick auf das mittägliche Satellitenbild vom 16.November 2006:

Ein Tiefdrucksystem bestehend aus zwei Tiefdruckkernen mit 967 und 971hPa Minimum dominiert das Wettergeschehen in weiten Teilen Westeuropas mit seinen Frontenausläufern.

Das Entwicklungsstadium beider Tiefs lässt sich bereits aus dem IR-Satellitenbild feststellen. Das westlichere Tief weist eine in den Kern spiralisierte Okklusionsfront auf, die sich in den Trogsektor hinein erstreckt (zelluläre Bewölkung rings um den Kern). Daraus lässt sich schlussfolgern, dass der zugehörige Höhentrog bereits über bzw. vor dem Bodentiefdruckkern liegt. Eine achsensenkrechte Neigung zwischen Bodentief und Höhentrog bedeutet aber Advektionsfreiheit - sowohl von Temperatur- als auch Vorticityadvektion - und damit den Höhepunkt des Tiefs. Wenn der Höhentrog dann vor dem Bodentief liegt, die Achse also vorwärts geneigt ist, füllt sich das Bodentief auf.

Das östlichere Tief hingegen zeigt eine schwach einspiralisierte Okklusionsfront , aber keine Indikatoren für einen Höhentrog, d.h. fehlende zelluläre Bewölkung bzw. eine wolkenfreie Zone. Der Höhentrog befindet sich also nich hinter dem Bodentief, und dieses wird sich weiter verstärken. Das GFS-Modell lässt den Kerndruck bis Freitag,0 UTC noch auf auf 960hPa fallen.

Ferner weisen die Wolkenverdickungen an der Kaltfront auf Wellenbildungen hin, die jedoch nicht zur Wellenzyklogenese ausreichen, da die Kaltfront strömungsparallel in der Höhenströmung liegt und sich damit kaum vorwärts bewegt. Dies hat zur Folge, dass im verwellten Bereich über der Iberischen Halbinsel mit den verhältnismäßig feuchten, energiereichen Luftmassen längeranhaltende und konvektiv durchsetzte Niederschläge fallen - mit den entsprechenden Überschwemmungen wie z.B. heute in Sevilla.

Das ist aber noch nicht alles. Westlich von Portugal hat sich genau an der Trogachse ,wo die stärkste Krümmung bzw. zyklonale (Krümmungs)Vorticity vorhanden ist, ein Komma gebildet. In den 500hPa-Karten von 12 UTC sieht man an dieser Stelle eine Drängung der -20 und -25°C-Isotherme.

Nordwestlich von Spanien hat sich rückseitig der Langwellentrogachse ein kleinräumiger Kurzwellentrog entwickelt, auf dessen Vorderseite ein Trogtief entstanden ist. Es besteht aus hochreichender Feuchtkonvektion,die linienartig angeordnet ist und sich in Spiralform um den Tiefdruckkern positioniert hat.

Westlich von Irland erkennt man ein stratiformes, nicht sehr hochreichendes Wolkenband, welches eine Wellenzyklogenese als Randzyklogenese markiert.

Die Welle vertieft sich kaum und okkludiert rasch und liegt morgen abend am Eingang des Ärmelkanals. Seine Okklusionsfront wird uns voraussichtlich im Tagesverlauf des Samstags in abgeschwächter Form von West nach Ost überqueren.

Zum Abschluss noch ein Wasserdampfbild :

Es zeigt sehr schöne Trockenintrusionen, welche hohe Werte an isentroper potentieller Vorticity in die Niedertroposphäre transportieren. Die Kopplung positiver IPV-Werte und hochbarokliner Verhältnisse im Tiefdruckkern am Boden führt schlussendlich zum oft beobachteten rasanten Druckfall in Zusammenhang mit den Trockenintrusionen..


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© Felix Welzenbach