Das Satellitenbild von Mittwoch, 20. Dezember 2006, zeigt vier markante Tiefdruckgebiete in verschiedenen Entwicklungsstadien und Größenordnungen:


Im Detailausschnitt ist die weit nordwärts ausgreifende Warmfrontbewölkung im Form hoher Cirren über Nordamerika erkennbar. Wie so häufig über dem nordamerikanischen Kontinent sind die Fronten klar anhand der Drängungszonen der Isothermen im Bodenfeld identifizierbar und bilden sich auch im Satellteinbild gut ab.
Das Wellentief südöstlich von Neufundland zeigt an der Westkante des baroklinen Blatts einen Wolkenkopf, der durch die Entwicklung des kalten Förderbands enstanden ist. Er deutet eine allmähliche Verschärfung der Zyklogenese an. Ein weiterer Hinweis liefern die rückseitig der Kaltfront vorstoßenden, hochreichenden Konvektionslinien, die die Lage des Höhentrogs verkörpern. Dies spricht für ein westlich des Bodentiefs situiertes Höhentief, sodass vorderseitige Hebungsantriebe im Bereich des Bodentiefkerns liegen.

Im nahen Infrarot erscheint die Welle als flächig kompaktes, hochreichendes und konvektiv durchsetztes Wolkenfeld. Wegen der Erdkürmmung erscheint der Cloudhead schmaler als er in Wirklichkeit ist. Das Bodentief befindet sich genau am Wendepunkt des S-förmig gekrümmten Wolkenblatts.

Abschließend ein Satellitenbild von EUMETSAT als RGB-Composit, das die Höhe der Wolken verschiedenartig eingefärbt zeigt - auch hier sieht der Cloudhead sehr schmal und länglich aus, ganz im Gegensatz zur ersten Satellitenbildaufnahme. Die hohen Wolken sind in dieser Darstellung längst nicht so kompakt wie es zuvor ausgesehen hat, jedoch unterstreichen sie sehr schön den konvektiven Charakter dieser Zyklogenese im Frühstadium.
Das Grönlandtief liegt im linken Jetauszug eines stark gekrümmten Jetstreams über dem Nordmeer und bereits recht nahe an der Trogachse , die sich vom Polgebiet entlang der Davisstraße bis nach Neufundland erstreckt. Das Orkantief zieht in den kommenden Stunden rasch westwärts in den Trogachsenbereich und füllt sich nach weiterem Druckfall um 10hPa in 6h dann auf, während sich der Jetstreak weiter nordostwärts schiebt und im linken Jetauszug ein Teiltief am Okklusionspunkt des Orkantiefs entsteht. Leeeffekte nördlich von Island unterstützen die Teiltiefbildung möglicherweise, wenngleich die Inselerhebung zu kleinskalig für eine klassische Leezyklogenese ist.
Zum Abschluss kurz die Entwicklung des Wellentiefs zum kleinräumigen Orkantief:
Bei t+30h liegt das Bodentief mit 995hPa um etwa 10hPa tiefer als derzeit genau auf der Vorderseite eines scharf gekrümmten Kurzwellentrogs. Die starke Drängung der relativen Topographie an der Vorderkante der Warmfront bis in den Trogbereich sowie entlang der kalten Seite lassen auf eine T-Bone-Zykloogenese schließen - also auf die Zusammenführung von Polarfrontjet und Subtropenjet.
Bei t+42h erreicht das Bodentief bereits 979hPa im Kern und liegt weiterhin auf der Vorderseite, wenn auch bereits recht nahe an der Trogachse. Stromaufwärts ist südlich von Neufundland eine zunehmende Aufwölbung der relativen Topographie erkennbar. Da über Neufundland ein Höhentrog liegt, deutet dies auf die Entwicklung eines weiteren Tiefdruckgebiets hin. Im Bodenfeld sind zudem zyklonale Isobarenkrümmungen vorhanden.
Bei t+54h hat das Tief bereits einen Kerndruck von rund 962hPa erreicht und sich damit innerhalb 24h um über 30hPa vertieft, was per definitionem einer rapid cyclogenesis entspricht. Das Bodentief befindet sich noch leicht vorderseitig der Trogachse,d.h. der Höhepunkt ist noch nicht abgeschlossen. Das nachfolgende Randtief zeigt nun deutlich eine Zunahme der relativen Topographie bzw. Schichtdicke und an Vorder- und Rückseitenkante eine Drängung der Isohypsen. Die Lage auf der Vorderseite des ausgedehnten Höhentrögs östlich von Neufundland liefert den zugehörigen Hebungsantrieb für den Bodendruckfall.
Bei t+60h erreicht das ehemalige Wellentief als voll ausgeprägtes Orkantief mit 954hPa seinen Höhepunkt knapp westlich von Island. Der Höhentrog hat nun einen eigenständigen Kern ausgebildet, der achsensenkrecht über dem Bodentief liegt. Die Advektionsvorgänge kommen damit zum erliegen, auch erkennbar an der fast vollständig um den Kern herumadvehierten Kaltluft (stark abnehmende Schichtdicke). Die Energiezufuhr zum Tiefdruckkern reißt damit ab und der Höhepunkt der Entwicklung ist erreicht. Das nachfolgende Tief weist nun einen separaten Tiefdruckkern mit 995hPa auf und befindet sich weiterhin vorderseitig im Bereich starker Krümmung und im linken Jetauszug.
Dieses Tief ist nun auch dafür verantwortlich, dass sich das Orkantief stromabwärts rasch auffüllt. Die zunehmende Schichtdicke mit der nachfolgenden Tiefdruckentwicklung führt nämlich zum Aufbau eines schwachen Kurzwellenkeils. An dessen Vorderseite - die Rückseite des Höhentrs bei island - setzt Absinken ein. Das Bodentief gerät nun aber hinter die Trogachse und genau in dieses Absinken, womit nicht nur der Druckanstieg durch die Bodenkonvergenz ,sondern auch durch die Konvergenz in der Höhe wirksam wird und die Masse der Luftsäule entsprechend rasch ansteigt. Jedoch wäre auch dieser abschwächende Orkan bzw. Sturm sehr gefährlich für die isländische Inselbevölkerung, da im Kernbereich für mehr als zwölf Stunden eine extreme Gradientverschärfung am Boden eintritt. Bodennahe Mittelwinde von 100-120km/h und Böen bis 170km/h und darüber wären hier denkbar.
© Felix Welzenbach