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Vorwort:
Der meteorologische Sommer im Jahre 2007 in Österreich fand eigentlich schon - oder besser nur - im April statt. Nach einem ausgefallenen Herbst 2006, in dem es so warm war wie nie zuvor, in einem ausgefallenen Winter 2006/2007, wo sich Rekordabweichung nach oben fortsetzten, setzte sich dieser Trend nach dem viel zu trockenen, sonnenscheinreichen und warmen April nicht fort. Zwar werden die Folgemonate, auch den Sommer über, zu warm, aber die Abweichungen sind nur noch gering. Katastrophen sind heuer ausgeblieben. Keine fünf Wochen Trockenheit, keine Eiseskälte, aber auch keine Hochwasser. Lediglich der Juli ist mit seiner etwa zehntätigen Hitzewelle besonders im Osten Österreichs noch als DER Sommermonat schlechthin in Erinnerung. Die nachfolgende Zusammenfassung liefert die wichtigsten Wetterlagen und -umstellungen in den Monaten Juni, Juli und August - basierend auf Archivkarten des amerikanischen Wettermodells GFS. Herausragende Wetterereignisse werden detaillierter besprochen. Für weitere Informationen sei auf die Unwetterstatistik Österreichs oder die Klimastatistiken der ZAMG verwiesen.1. Synoptischer Wetterverlauf besonderer Wetterlagen
1.1 Juni
Bemerkenswert ist hier eine markante Trogvorderseite über dem zentralen Mitteleuropa beginnend ab Dienstag, 19. Juni. Ein kräftiges Tiefdruckgebiet über Irland pumpt vorderseitig Warmluft in den Alpenraum, die Theta-E-Werte steigen am Mittwoch, 20. Juni , auf über 60°C an. Am Donnerstag, 21. Juni, werden über Ostösterreich 20°C in 850hPa erreicht, nachfolgend überquert eine Kaltfront die Republik von West nach Ost.Eine weitere Trogvorderseite, gekoppelt an eine kräftige Tiefdruckrinne, die vom Ärmelkanal über die südliche Nordsee bis Ostdeutschland und Tschechien reicht, führt am 25. Juni erneut warme und labil geschichtete Luftmassen nach Österreich. Die zugehörige Kaltfront geht in der Nacht zu Dienstag, 26. Juni über Österreich von Westnordwest hinweg. An der Grenze zwischen einfließender Kaltluft von der Nordsee und herumgeführter Warmluft entsteht über der Ostsee ein Sturmtief, das besonders Norddeutschland auch einzelne Orkanböen bringt.
1.2 Juli
Eine weitere Trogvorderseite entwickelt sich zu Beginn des Julis, mit erneut steigenden Theta-e-Werten über dem Alpenraum. Verursacher ist ein hochreichendes Tief über den Britischen Inseln. Die Kaltfront geht in der Nacht zu Dienstag, 03. Juli, über Österreich hinweg. Der zweite Kaltfrontdurchgang verbunden mit einer schwachen Randtiefentwicklung erfolgt in der Nacht zu Mittwoch, 04. Juli. Entlang der letzten Kaltfront entsteht eine markante Luftmassengrenze, die am Freitag, 06. Juli über dem Baltikum zu einer markanten Sturmtiefentwicklung führt. Gleichzeitig nähert sich Österreich von Westen her ein nahezu okkludiertes Tief an.Sonntag, 08. Juli, abends, entwickeln sich in der feuchtwarmen Luftmasse über Österreich einzelne, teils kräftige Gewitter. Die Kaltfront geht in der Nacht zu Dienstag, 10. Juli, über Österreich hinweg. Am Samstag, 14. Juli, kann sich erstmals in diesem Sommer ein Langwellenkeil über Mitteleuropa aufbauen, der störungsfreie Witterung aufrechterhält. Der Gegenspieler ist ein ausgedehntes Höhentiefsystem über dem Ostatlantik, das zunehmend heiße Luft aus dem westlichen Mittelmeerraum nach Mitteleuropa advehiert. Abends erreichen die 850er von Spanien über Zentralfrankreich bis in die Alpenländer verbreitet 20-22°C. Die Kaltfront erstreckt sich entlang den Küsten Nordfrankreichs, Benelux und Nordwestdeutschlands.
Am Sonntag, 15. Juli verstärkt sich die Warmluftadvektion vorderseitig. 850er von 24°C werden über Süddeutschland erreicht. Bis Dienstag, 17. Juli, kommt die Kaltfront langsam auf eine Linie Zentralspanien, Zentralmassiv, Süddeutschland voran, während in Österreich weiter 850er von 22 bis 25°C erreicht werden. Die Hitzewelle bleibt auch am Donnerstag, 19. Juli, vorhanden, verschiebt sich aber nun langsam in die südöstlichen Regionen der Republik. Am Freitag, 20. Juli, verschärft sich die Lage wieder, und die 850er steigen österreichweit wieder über 20°C, stellenweise sogar über 24°C. Mit einer Tiefdruckentwicklung über der Nordsee kündigt sich aber langsam ein Ende der Hitzewelle an. Im Laufe des Sonntags, 22. Juli, überquert eine Kaltfront Österreich von West nach Ost.
Bereits am Montag, 23. Juli kommt die nächste Vorderseite mit einem kräftigen Tief über Nordfrankreich, das abermals 850er über 20°C nach Österreich bringt. Die Kaltfront geht in der Nacht zu Dienstag, 24. Juli, über Österreich hinweg.
Am Samstag, 28. Juli, befindet sich ein okkludiertes Tiefdruckgebiet über Skandinavien. Über Norddeutschland geht ein schwaches Randtief ohne abgeschlossenen Bodenkern hinweg. Zugleich zieht über dem Nordatlantik ein flaches Tief heran, an dessen langgestreckter Vorderseite sich eine Warmfrontwelle bildet. Diese wird über England zu einem eigenständigen Tief und überquert Deutschland am Sonntag, 29. Juli, rasch von West nach Ost. Die Kaltfront geht Montag, 30. Juli, vormittags, rasch über ganz Österreich hinweg.
1.3 August
Zu Beginn des Monats August vollzieht sich eine sehr anschauliche, lehrbuchhafte Entwicklung des sogenannten Downstream-Developments. Dieses besagt, dass stromaufwärtige Prozesse direkten Einfluss auf stromabwärts liegende Druckgebiete haben. In diesem Einfall wird die Entwicklung eines Gewittertiefs über Frankreich maßgeblich von einer kräftigen Sturmtiefentwicklung über dem Nordwestatlantik geprägt, das sich von Mittwoch, 01. auf den Donnerstag, 02. August rasch zu einem Sturmtief mit 975hPa Kerndruck vertieft. Das anfängliche Gewittertief über Südfrankreich wird infolge der Trogvertiefung über Frankreich intensiver in den Wettererscheinungen. Nachts über Südfrankreich ausgelöste, entkoppelte Konvektion zieht mit einer kräftigen Südwestströmung und starkem Hebungsfeld rasch nordostwärts weiter und erreicht am Vormittag den Westen Österreichs. Mittags und nachmittags zieht eine über dem Tiroler Oberland ausgelöste Superzelle das Inntal und Salzachtal ostwärts und erreicht am späten Nachmittag abgeschwächt die Voralpen, ehe sie dort wegen mangelnder Feuchte und Hebung eingeht. Weitere Gewitterzellen ziehen von Westen durch - die eigentliche Kaltfront geht erst am Freitag, 03. August, in Österreich durch.Am Mittwoch, 15. August, stellt sich eine Vorderseitenlage mit 850ern um 20°C ein, die Donnerstag, 16. August, abends mit dem Kaltfrontdurchgang wieder beendet wird. Am Montag, 27. August, entwickelt sich allmählich eine markante Luftmassengrenze über Mitteleuropa, mit einem Warmluftregime über Spanien, Zentralfrankreich, dem südlichen Alpenraum bis nach Südösterreich. Am Dienstag, 28. August, verschärft sich die Luftmassengrenze, und Kärnten gerät in die Zufuhr äußerst labiler und besonders in höheren Schichten sehr trockener Luftmassen. Bei gleichzeitigem dynamischen Hebungsantrieb und mit dem Tagesgang entwickeln sich einzelne Superzellen, die bis zu 8cm großen Hagel hervorbringen.
Am Donnerstag, 30. August, geht die Kaltfront von Nord nach Süd über Österreich hinweg.
1.4 Nachtrag
Am 01. September entwickelt sich über Island ein hochreichendes Tiefdruckgebiet, das bis Sonntag, 02. September, nach Skandinavien zieht und mehrere Tiefdruckkerne ausbildet. Die zugehörige Kaltfront liegt zu mittag auf einer Linie Nordirland, Nordengland, Nordsee, Skagerrak. Dahinter strömt polare Meeresluft südwärts. Eine simultan stattfindende Tiefdruckbildung östlich von Neufundland wölbt einen mächtigen Keil zwischen beiden Tiefsystemen auf.Am Montag, 03. September 2007, hat die Kaltfront eine Linie Bretagne, Luxemburg, Baden, Nordfranken, Westpolen, Baltikum erreicht. Das Hochdruckgebiet über dem Nordatlantik ist mit 1029hPa auch am Boden stark ausgeprägt und wird von einem Sturmtief an der Südspitze Grönlands mit massiver Warmluftadvektion gestützt. Am Abend erreicht die Kaltfront Österreich mit seicht einfließender Kaltluft, da der Höhentrog weiter nördlich über Deutschland liegt und die Trogachse Österreich noch nicht überquert hat. Infolgedessen kommt es nicht zu markanten Wettererscheinungen wie bei den Kaltfrontdurchgängen in den Monaten zuvor.
Am Dienstag, 04. September 2007, hat die Kaltfront Österreich vollständig überquert und zu einer Genuatiefentwicklung geführt. Die Luftmassengrenze erstreckt sich nun von Slowenien über den Ostrand der Slowakei, Ostpolen bis nach Südrussland. Kaltluft mit Theta-e-Werten von 24°C und weniger hat Deutschland großflächig überflutet. Die Trogachse liegt nun über Westösterreich, von Südskandinavien stößt der Haupttrog nach Süden vor und führt an seiner Westflanke einen intensiven Höhenjet langsam ostwärts, dessen linke Ausgangsregion sich über die zentralen Nordalpen legt. Stauniederschläge halten am Dienstag ganztätig an und lassen die Schneefallgrenze sukzessive von anfangs 1500m auf bis zu 1200m fallen. Trotz nördlicher Anströmung kommt es nicht zu föhnigen Effekten und einem Niederschlagsminimum am Alpenhauptkamm, da die vorgelagerten Alpentäler hochreichend mit Kaltluft gefüllt sind.
In der Nacht zu Mittwoch, 05. September, zieht ein kräftiges Vorticitymaximum (Hebungsfeld) von Ostdeutschland her in Form eines Kommas südwärts und trifft am frühen Morgen auf die Alpen. Mittwoch vormittag wird die Wetterlage komplex:
1. Durch das dynamisches Hebungsfeld sowie die andauernde Nordströmung kommt es zu ergiebigen Stauniederschlägen in den zentralen Nordalpen. Die Schneefallgrenze sinkt dort tagsüber zeitweise unter 1000m ab. In den Hochlagen fällt ergiebiger Neuschnee bis über 100cm oberhalb 1500m und führt zu einer dramatischen Lage für die Kühe und Schafe auf den Almen. Der Schneefall und die Niederschläge halten bis abends an. Am Brenner wurde der erste Schnee (10cm) an einem 5. September seit 100 Jahren registriert. In Innsbruck war es mit +6,8°C Maximum der kälteste 5. September seit 60 (Flughafen) bzw. 100 Jahren (Stadtgebiet).
2. Das anfangs das Hoch stützende Sturmtief über dem nördlichen Atlantik zieht nordostwärts ins Nordmeer weiter. Die zugehörige Warmfront wird antizyklonal um das Hoch mit Kern über den Britischen Inseln südostwärts geführt und erreicht am Morgen den westmitteleuropäischen Kontinent.
3. An der Luftmassengrenze über Südosteuropa bildet sich über Westrumänien ein flaches Tiefdruckgebiet aus, das die von Norden eingeflossene Polarluft von feuchtwarmer Subtropikluft trennt.
Im Verlauf des Mittwochs setzt mit diesem an der Luftmassengrenze nordwestwärts ziehendem Tief schauerartiger Regen über dem Osten Österreichs ein.
Es handelt sich um eine klassische Aufgleitsituation mit einem Maximum an effektiver Hebung. Wie sich anhand der Analysekarten nachweisen lässt, herrschte im Bereich des abgetropften, ehemals von Norden vorstoßenden Höhentrogs, ein kreisrunder Jet mit eingebetteten, intensiven Vorticitymaxima.Zusätzlich wurde Vorderseite massiv Warmluft advehiert, was zu maximalen Werten an positiver Schichtdickenadvektion führte (was sich leicht vorstellen lässt, wenn nach eingeflossener Kaltluft plötzlich viel wärmerer Luft über das Land advehiert wird, in der Vertikalen kommt es zu einer starken Ausdehnung der Luftsäule, damit zu einer Hebung). Der konvektive Grad war im Gegensatz zu ähnlichen synoptischen Konstellationen wie 2002 oder 2005 eher gering, da durch das starke Aufgleiten die Atmosphäre äußerst stabil geschichtet war, erst im weiteren Verlauf der Tiefdruckentwicklung, wenn sich die Warmluft auch in niederen Schichten durchsetzte, nahm auch die Labilität zu.Bis zum Morgen des Donnerstags, 06. September, griffen die Aufgleitniederschläge mit teils erheblichen Neuschneemengen auch auf West- und Nordösterreich über. Dabei ergab sich ein großes Niederschlagsgefälle vom Tiroler Unterland zum Tiroler Oberland. Bei weiterhin sehr niedriger 0°C-Grenze um 1400m fiel Schnee bis auf 1000m und weniger herab. Besonders im Salzburger Land und im südlichen Oberösterreich waren die Neuschneemengen enorm, aber auch in Tirol wurden bis zum Ende der Niederschlagsperiode 1-2m Schnee registriert, mit Verwehungen sogar darüber. Der Niederschlag hielt bei steigender Schneefallgrenze auch am Donnerstag abend an, konzentrierte sich heribei vor allem auf Salzburger Land und Oberösterreich bis ins westliche Niederösterreich.
Im Laufe des Freitags zog sich der Niederschlag nach Niederösterreich und ins Burgenland zurück und hörte in der Nacht zu Samstag schließlich ganz auf. Insgesamt lief das Hochwasser vergleichsweise glimpflich ab. Einzelne Hochwasserrekorde wurden gemeldet, insgesamt blieb das Ausmaß aber unter dem von August 2002. In den Hochlagen der Alpen bildete sich eine bis wenigstens 12. September dauerhaft geschlossene Schneedecke, was in Zeiten starken Gletscherschwunds zur wärmsten Jahreszeit in diesen Höhen der galoppierenden Abschmelze erstmal einen, zumindest kurzfristigen, Dämpfer verschaffen dürfte.
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