In dieser Modellanalyse möchte ich mich auf die ThetaE-Karten beschränken, da es sich bis dato noch um keine sichere Modellprognose handelt. Nichtsdestotrotz offenbart die Kurzfrist synoptische Entwicklungen, die durchaus Ähnlichkeiten mit der gefährlichen Orkanentwicklung Kyrill vom 18. Januar 2007 aufweisen. Hinsichtlich des resultierenden Starkwindfeldes ist zwar mit großer Wahrscheinlichkeit von einer deutlich schwächeren Tiefentwicklung als vor einem Monat auszugehen. Was aber die Geburtsstunde des mutmaßlich "Eberhard" getauften Sturmtiefs betrifft, welches in der Nacht zu Mittwoch und am Mittwoch Deutschland beeinflussen soll, zeigen sich doch erhebliche Gemeinsamkeiten.
ThetaE-Karten eignen sich besonders gut, um die Frontenlage zu analysieren. Hinsichtlich der Intensität der Niederschläge sowie deren Art (konvektiv oder stratiform) lassen sich hingegen keine Aussagen treffen, auch wenn allgemein gilt, dass je stärker die Drängungszone, desto stärker die Niederschläge sind.
| 1) Sonntag, 25.02. 2007, 12 UTC - Analyse | |
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Das kleinräumige, aber recht wetterintensive Tiefdruckgebiet "Dietmar" beeinflusst weite Teile Mitteleuropas mit kräftigen Schauern, teilweise gewittrig, und auffrischenden Winden. Die umgebogene Okklusionsfront bildet eine Troglinie aus. Über den Alpen setzt durch die ins Mittelmeer vorstoßende Kaltluft eine schwache Genuazyklogenese ein, die jedoch rasch ostwärts zieht. Das Frontensystem eines steuernden Tiefdruckgebietes bei Neufundland ist fast okkludiert, dahinter folgt ein Sturmtief mit enormen ThetaE-Werten nach. |
| 2) Montag, 26.02. 2007, 06 UTC - (GFS 12z +18h) | |
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Dietmar schwächt sich allmählich ab, beeinflusst aber Mitteleuropa weiterhin mit Schauern, am westlichen Alpennordrand auch längere Stauniederschläge. Das Frontalsystem des ehemaligen Steuerzentrums okkludiert weiter, die Okklusionsfront löst sich dabei vom Kern ab. Das nachfolgende Sturmtief wird mit 973hPa zum neuen Zentraltief. In dessen Warmsektor steigen die ThetaE-Werte auf über 40°C, vorderseitig der Kaltfront sogar auf über 50°C an. |
| 3) Montag, 26.02. 2007, 18 UTC - (GFS 12z +30h) | |
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Dietmar füllt sich weiter auf, bleibt aber immer noch für Mitteleuropa und dem Nordalpenraum mit Niederschlägen wetterbestimmend. Das beinahe okkludierte Frontensystem des Ex-Tiefzentrums wird immer mehr von dem riesigen Warmsektor infiltriert. Es geht zu einem weiteren Tief, das sich am Okklusionspunkt des neuen steuernden Zentraltiefs entwickelt hat. Das Zentraltief liegt hier bereits knapp östlich von Neufundland, während das Randtief weiter östlich entstanden ist. |
| 4) Dienstag, 27.02. 2007, 12 UTC - (GFS 12z +48h) | |
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Nach weiteren Teiltiefentwicklungen, die zu einer langgestreckten Okklusionsfront mit nun vier Tiefkernen geführt hat, vollzieht sich über den Britischen Inseln die letzte und entscheidende Teiltiefentwicklung am Okklusionspunkt. Man erinnere sich an die synoptische Entwicklung von Kyrill (siehe Link oben) und entdeckt denselben Vorgang auch hier: Es spaltet sich ein Randtief an der Okklusionsfront ab, hier mit etwa 980hPa Kerndruck. Seine Warmfront liegt mit der Vorderkante über Ostengland und reicht bis ins Zentralmassiv. An der Kaltfront sind die Isobaren dicht gedrängt, hier könnte man mit durchaus ruppiger Frontaktivität rechnen. Allerdings sollte man hierzu auch die Höhenwetterkarten betrachten, um die Lage des Höhentrogs im Verhältnis zur Bodenkaltfront zu erörtern. |
| 5) Dienstag, 27.02. 2007, 18 UTC - (GFS 12z +54h) | |
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Der eigenständige Tiefkern ist jetzt mit 976hPa sichtbar. Ähnlich wie bei Kyrill tritt keine rapide Vertiefung mit der Abspaltung vom Okklusionspunkt ein. Die Warmfront erreicht nun Benelux und Westdeutschland, die Kaltfront liegt bereits über dem Ärmelkanal und der Bretagne. Die Isobarendrängung lässt auf kräftige Winde auch in der unteren Troposphäre schließen [Modellprognose GFS 12z : verbreitet 50-60Kn,teils höher]. |
| 6) Mittwoch, 28.02. 2007, 00 UTC - (GFS 12z +60h) | |
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Sturmtief "Eberhard" liegt nun mit 972hPa Kerndruck über der Doggerbank und okkludiert rasch. Die Warmfront liegt quer über Deutschland, die Kaltfront über Westdeutschland bis nach Frankreich reichend, dort leicht verwellt, und dann langgestreckt quasi-strömungsparallel auf dem Nordatlantik, jedoch unter Hochdruckeinfluss nahezu inaktiv. Das stärkste Windfeld befindet sich wie bei allen Orkantiefs im Warmsektor, reicht hier aber - ebenso wie bei Kyrill - bis in den postfrontalen Sektor. Hinsichtlich der Entwicklung von Troglinien also durchaus eine unwetterträchtige Konstellation, wenn Starkwindfeld, Feuchte, Labilität und Hebung gekoppelt sein sollten. Stromaufwärts folgt ein kleinräumiges Randtief nach. |
| 7) Mittwoch, 28.02. 2007, 06 UTC - (GFS 12z +66h) | |
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Das Tief liegt mit Kern über der östlichen Nordsee, verlagert sich demzufolge nur langsam ostwärts (das wiederum ist ein Unterschied zu Kyrill) und die Kaltfront holt die Warmfront rasch ein. Im nachfolgenden postfrontalen Sektor bleibt der Wind kräftig. Interessant ist hier eine Andeutung etwas höherer ThetaE-Werte über Westfrankreich, die mit einer schwach zyklonalen Isobarenkrümmung verbunden sind. Diese Troglinie, mitunter auch ein Kommatief, soll gegen Mittag und Nachmittag Mitteleuropa mit Gewittern überqueren. Schwache Labilitätssignale im Modell geben zu dieser Vermutung Anlass. Die nachfolgende Randtiefentwicklung soll in diesem Modelllauf keine weitere, dramatische Sturmgefahr bringen. |
Die Gemeinsamkeiten:
NOGAPS 12z rechnet ebenfalls eine raschere und kräftigere Entwicklung, jedoch mit einem viel stärkeren Windfeld als bei GEM und GFS 12z.
GME 12z ähnelt im Wesentlichen den anderen Modellen, mit einer kräftigen Sturmtiefentwicklung und moderatem Starkwindfeld mit einer Mischung aus GFS und GEM.
Bemerkung: - Insgesamt kann man in den kommenden 3 tagen von einer kräftigen Sturmtiefentwicklung ausgehen, die tendenziell und rein klimatologisch eher etwas nördlicher als von GFS 12z prognostiziert ziehen sollte. Deutschland gerät dabei höchstwahrscheinlich in ein markantes Starkwindfeld, das teilweise auch mit dem Höhentrog gekoppelt ist. Inwiefern sich daraus die Gefahr von lokalen bis regionalen Orkanböen ergibt, kann jetzt noch nicht abgeschätzt werden. Angesichts der weiterhin bestehenden Modellunterschiede kann man aber zumindest sagen, dass DIESE Entwicklung im Gegensatz zur phänomenalen Modellvorhersage Kyrills alles andere als sicher ist und daher noch nicht konkretisiert werden kann.
© Felix Welzenbach