Die "zutatenbasierende Vorhersage" ist eine Entwicklung von Chuck Doswell1, die besagt, dass Gewitter nur dann entstehen können, wenn zwei Zutaten gegeben sind: Feuchtlabilität und Hebung. Erweitert auf Unwetter wird die dritte Zutat Windscherung benötigt.
- CAPE ist keine Zutat! Convective available potential energy existiert nur, wenn genügend Feuchte vorhanden ist und die Luftschicht bedingt instabil (conditional unstable) ist. Genügend Feuchte ohne Instabilität hat man beispielsweise bei einem Warmfrontdurchgang im Winter. Instabilität nützt wiederum nichts, wenn die Luftschicht viel zu trocken ist.
- Hebung (engl.: lift) ist nicht dasselbe wie Forcing! Ein Antrieb für Hebung ist eine Konvergenzlinie, eine Front, eine Trogvorderseite, Land-See-Windsystem, Talwindsystem ("Umkehrkonvektion'') oder Orographie. Hebung beschreibt hingegen die Aufwärtsbewegung an sich.
Was passiert bei welchen Zutaten?
- Bei geringer relativer Feuchte in der Grenzschicht entstehen hochbasige Gewitter, die entsprechend anfällig für starke Verdunstungskälte und konvektive Fallwindböen sind.
- Geringe vertikale Windscherung bei hoher absoluter Feuchte in allen Luftschichten begünstigt ortsfeste Starkregengewitter.
- Starker Hebungsantrieb fördert die Vereinigung mehrerer Gewitterzellen zu Multizellensystemen, wenngleichzeitig eine vertikale Windscherung gegeben ist. Letztere bestimmt den Grad der Organisation von Gewitterzellen.
Die gewöhnliche ("ordinary") Einzelzelle entsteht bei schwacher Geschwindigkeitsscherung, während starke Geschwindigkeitsscherung für Multizellen begünstigend ist. Strenggenommen ist diese Unterteilung in der Praxis nicht nachweisbar, da ausnahmslos jede Gewitterzelle eine Multizelle ist, also aus mehreren Aufwindbereichen besteht.
Die Königin der Gewitterzellen, die Superzelle profitiert meist von der Koexistenz von Richtungs- und Geschwindigkeitsscherung sowie von hochreichender Labilität und gewissem CINH (Energie, die aufgewendet werden muss, damit freier Auftrieb ermöglicht wird)
Kommt dazu noch eine starke bodennahe Windscherung und viel Feuchte in der Grenzschicht, so können sich Typ-I-Tornados in Zusammenhang mit Superzellen entwickeln. Bei starkem Auftrieb in der Grenzschicht, hoher relativer Feuchte und windschwacher Umgebung können gewöhnliche Einzelzellen an Konvergenzlinien Typ-II-Tornados hervorrufen.
1Doswell, C, A., III, H. E. Brooks and R. A: Maddox, 1996: Flash Flood Forecasting: An Ingredients-Based Methodology. Wea. Forecasting, 11, 560-581.
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 15. November 2011 22:34