Glatteis und gefrierende Nässe

 

In Boulevardmedien auch Blitzeis genannt tritt Glatteis in verschiedenen Formen und Situationen auf:

als gefrierender Regen

  • wenn flüssiger Niederschlag auf gefrorenen Boden fällt
  • wenn unterkühlter, flüssiger Niederschlag an Gegenständen festfriert

als gefrierende Nässe

  • wenn unterkühlte Wolkentröpfchen in einer Nebelschicht auf gefrorenem Boden zu Eis gefrieren
  • wenn Reif durch Wind und steigende Temperatur von den Bäumen fällt und durch die Sonne taut und nach Sonnenuntergang wieder gefriert
  • wenn Schnee taut und nach Sonnenuntergang/im Schatten wieder gefriert
  • wenn es geregnet hat und nachfolgend die Temperatur in den negativen Bereich sinkt

Gefrierender Regen tritt in Erscheinung bei ...

maskierten Kaltfronten: Bodennah Kaltluft und höhenmilde Luft werden durch eine Kaltfront ausgeräumt, d.h. in der Höhe kühlt die Luft ab und am Boden wird es wärmer. Das Zauberwort ist Durchmischung. Der Wind erodiert die bodennahe Kaltluft und ersetzt sie durch potentiell wärmere Luft in der Höhe. Nun kann es aber passieren, dass der Niederschlag früher einsetzt als der Wind aktiv werden konnte: Regen fällt dann auf gefrorenen Boden und gefriert zu Eis. Andauernder Regen und zunehmender Wind beseitigen das Glatteisrisiko meist rasch, entsprechend ist die Glatteisgefahr bei maskierten Kaltfront oft nur lokal und von kurzer Dauer.

Hochnebellagen unter Hochdruckeinfluss: Wenn sich der Nebel bei leichten Frostgraden ausbreitet, liegt unterkühltes Wolkenwasser vor. Durch Anregung von Kelvin-Helmholtz-Wellen (siehe vorheriger Blog-Eintrag) oder unter Einfluss eines Höhentrogs wird das Wolkenwasser gehoben und fällt aus, meist leichter Nieselregen ist die Folge. Bei gefrorenem Boden auch Glatteisbildung. Das kann flächendeckend geschehen, jedoch meist ohne nennenswerte Mengen. Je dünner die Hochnebelschicht, umso weniger Wolkenwasser kann ausfallen.

Warmfrontniederschlag: Wenn die Kaltluftschicht nicht hochreichend genug ist, damit der Regen in Schneefall übergeht, bzw. eine Warmluftnase im positiven Bereich existiert, kann es signifikanten Regen auf gefrorenen Boden geben. Inneralpin sind die Kaltluftschichten oft zu mächtig, es schneit selbst dann, wenn im Alpenvorland schon Regen fällt. Gefrierender Regen inneralpin tritt also seltener auf. Das prominenteste Beispiel der letzten 40 Jahre ist zweifellos der Jahreswechsel 1978/1979. Ältere Semester werden sich an die Schneekatastrophe in Norddeutschland erinnern, mit meterhohen Schneeverwehungen. Die dafür verantwortlich zeichnende Luftmassengrenze sorgte weiter südlich aber auch für signifikanten Glatteisregen, etwa in Sachsen, wo es bei deutlichen Minusgraden regnete. Einen Erlebnisbericht zur damaligen Wetterlage hat Jürgen Vollmer geschrieben.

Gefrierende Nässe

... ist ein Zustand, der vom Autofahrer ein gewisses Maß an Hausverstand à la "Wenn die Herdplatte an ist, wird sie heiß" voraussetzt. Dass Wasser unter Null Grad zu Eis gefriert - zumindest in der Höhenschicht, in der wir uns die meiste Zeit aufhalten - ist uns seit der Schulzeit bekannt, bei vielen wahrscheinlich noch früher durch Erfahrungen (Schneefall und Glatteis im Winter).

Folglich gilt:

  • bei dichtem Nebel und Minusgraden langsam fahren
  • bei dick bereiften Bäumen, deren Blätter über Gehwegen oder Fahrbahnen ragen (z.B. Wald, Allée) und gleichzeitigem Sonnenschein/Tauwetter aufpassen
  • wenn sich am Fahrbahnrand eine Schneedecke oder Schneereste befinden, kann diese bei Tauwetter/Sonneneinstrahlung tagsüber die Fahrbahn benässen, und nach Sonnenuntergang oder in schattigen Lagen glatt machen
  • wenn es zuvor geregnet hat und der Himmel nach Sonnenuntergang aufklart, kann die Luft bis unter den Gefrierpunkt abkühlen, auch dann gefriert das Wasser zu Eis

Fazit:

Vor gefrierenden Regen warnen Meteorologen, vor gefrierender Nässe warnt normalerweise der gesunde Menschenverstand.

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