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Fallbeispiel 7. November 2008 - Querschnitt bei Berlin.

In Berlin herrschte in der Woche vom 3. bis zum 7. November 2008 eine beständige Hochnebelschicht, die sich einfach nicht auflösen wollte. Zeitweise fiel Sprühregen, vorübergehend auch leichter und damit messbarer Regen. Die Sichtweite variierte zwischen wenigen Kilometern und hunderten Metern, es wurde in den Synops relativ häufig Nebel verschlüsselt.

Im 6z-Aufstieg am 7. November von Lindenberg, rund 80km östlich von Berlin, ist folgende Atmosphärenschichtung zu sehen:



Zunächst die Windverteilung - sie offenbart einen schwachen Südostwind am Boden sowie eine starke Südströmung in der Höhe, zeitweilig erreichten die Winde unmittelbar oberhalb der Inversion bis zu 40Kn diese Woche. Hier sind es immerhin noch 30Kn.

Bodennah hat sich zu diesem Zeitpunkt die zähe Nebeldecke aufgelöst (geringer Spread zwischen Taupunkt und Temperatur erkennbar), darüber befindet sich verhältnismäßig kleiner, aber äußerst persistenter Deckel (Temperaturinversion), mit einem Temperaturanstieg von rund 8 auf 11°C in einer dünnen Höhenschicht. Die Unterkante der Inversion fällt mit dem Taupunkt zusammen, hier ist die Ursache für den Hochnebel zu suchen (bzw. ist es der Hochnebel).

Bis unterhalb 850 hPa ist noch eine trockene Schichtung erkennbar, eine Art "residual layer" (wie man im Fachjargon sagt), die von der vortäglichen Abtrocknung in allen Schichten (vgl. frühere Sondenaufstiege) übrig geblieben ist. Sie ist durch einen fast trockenadiabatischen Temperaturrückgang und einem Taupunkt gekennzeichnet, der den "Isomixen" (Linien gleichen Mischungsverhältnisses) folgt. Man spricht in einem solchen Fall auch von "gut durchmischten" Luftmassen (well-mixed air masses). Bei den Windfiedern ist in dieser Schicht außerdem eine Linksdrehung mit der Höhe erkennbar (= Kaltluftadvektion).

Zwischen 850hPa und 600hPa ist die Luftschicht komplett gesättigt, d.h. kompakte tiefe und mittelhohe Bewölkung, resultierend aus der Warmluftadvektion (des nachfolgenden Systems, s.u.), hat sich hier etabliert.Darüber ist es abermals trockener, wenngleich der spread 400hPa zumindest aufgelockerte hohe Bewölkung (Cirrus oder einzelne Cirrostratusfelder) zulässt.

Folgende Theta-e-Karte stammt ebenfalls von 06 UTC des selben Tages:




Folgende Informationen verbergen sich in dem Wust von Farben und Strichen:

Dargestellt ist die pseudopotentielle Temperatur in ca. 1,5km Höhe (pseudopotentielle Temperatur ist sehr ähnlich zur äquivalentpotentiellen (= Theta-e) Temperaturen, es ist lediglich eine etwas andere Berechnung/Annahme dahinter) sowie der Bodendruck mit Isobarenverlauf. Die Wetterlage zeigt über dem Nordatlantik ein Aufleben der Frontalzone nach mehreren Tagen, ja beinahe Wochen, Flaute auf See. Zu erkennen (eingezeichnet mit Farben) sind mehrere an Tiefdruckentwicklungen gekoppelte Frontensysteme. Über Nord- und Osteuropa dominieren dagegen kalte Farben und hoher Luftdruck, d.h. sehr trockene und kalte Luftmassen (Theta-e- beinhalten Feuchte UND Temperatur). Dieser Block an kalter Luft, verbunden mit hohen Geopotential und hohem Bodenluftdruck sorgte diese Woche für die beständige Omegawetterlage, mit einem quasi-stationärem Höhentief über Westeuropa und einem Trog über Russland, die das Omegahoch flankierten.

Als Überbleibsel des Genuatiefs am Dienstag/Mittwoch, das dem Nord- und Ostalpenraum teilweise rekordverdächtige Höchstwerte durch Südföhn brachte (wenngleich keine extremen Windspitzen auftraten) und zudem für Saharastaub sorgte, reicht eine quasi-stationäre Luftmassengrenze vom Balkan bis zum Kattegat. Sie entstand aus der ehemaligen Kaltfront des besagten Tiefs, die zunächst ostwärts weiter wanderte, und dann mit der südöstlichen Höhenströmung auf der Vorderseite des Westeuropa-Höhentiefs retrograd nach Westen zog. Dabei bildete sich eine sogenannte offene Welle aus, d.h. der nördliche Teil der Luftmassengrenze wurde warmaktiv und verstärkte die Inversion über Deutschland/Ostdeutschland noch (Warmluftadvektion über durch die Inversion entkoppelten Kaltluftsee am Boden), der südliche Teil dagegen blieb kaltaktiv nahezu vor Ort liegen und verursachte einige teils kräftige Gewitterstürme über Adria und zentrales Mittelmeer (vgl. Estofex-Prognosen vorgestern, gestern).

Der folgende Vertikalschnitt wurde entlang einer Linie gemacht, wie sie pink markiert ist, d.h. von der Mainlinie über Brandenburg, Schweden bis zur westlichen Karasee, mit Analysedaten des EZ-Modells.



Berlin befindet sich auf 52°Nord, 13°Ost. Dargestellt ist auf der Abszisse die Linie, entlang derer der Querschnitt sich erstreckt, und auf der Ordinate die Höhe in hPa. Geplottet sind die Feuchtisentropen (Linien gleicher äquivalent-potentieller Temperatur, Theta-e abgekürzt.)

Die (Feucht-)Isentropen korrelieren sehr schön zur obigen Theta-e-Karte, d.h. von 52°N bis 70°N erstreckt sich ein durchgehender Kaltluftsee in Bodennähe, der zwischen 57 und 66°N seine größte vertikale Mächtigkeit erreicht. Darüber nimmt die Theta-e allgemein zu, d.h. es herrscht eine stabile Schichtung (potentiell wärmere Luft liegt über potentiell kälterer Luft).

Zwischen 54 und 57°N sind die Isentropen besonders dicht gedrängt, hier hat sich die wärmere Luft bereits in tiefere Schichten vorgearbeitet. Die Temperaturinversion wird ausgeprägter. Folgendes Vorhersagesounding (bzw. Analysesounding) bestätigt das z.B. in 56°N, 16°E.



Wenn man die Lage der dicht gedrängten Isentropen mit der obigen Theta-e-Karte vergleicht, sieht man eine gute Übereinstimmung zum "Warmsektor" der warmaktiven Luftmassengrenze, d.h. hier gleitet eine "Frontfläche" auf der Kaltluft am Boden auf, kann diese aber (noch) nicht verdrängen.

Anders in Berlin - hier ist der Kaltluftsee nur mehr ganz seicht vorhanden, und die Warmluft hat sich bis auf rund 950hPa herabgearbeitet. Dies passt gut zum obigen Sondenaufstieg, das die Temperaturinversion in rund 950hPa zeigt.

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