Home Satellitenbild Zyklogenese Gewitter Modelle Vorhersage Wissenswertes Links Impressum

Fallbeispiel 8. November 2008 - Querschnitt durch einen Dryslot

Zu sehen sind mehrere Tiefdruckwirbel vom Atlantik bis nach Nordeuropa. Südlich der Azoren liegt ein quasi-stationäres subtropisches System, das sich in den nächsten Tagen weder vom Ort noch von der Intensität wesentlich verändern wird und für unser Wetter keine Rolle spielt. Südöstlich von Grönland liegt ein okkludiertes Sturmtief, das vollständig von hochreichender Kaltluft überströmt wurde. Ein weiterer, schon weit okkludierter Wirbel befindet sich über Fennoskandinavien. Die dunkelpinken Farben weisen auf Stratosphärenluft hin, die sich bis in tiefere Schichten vorgearbeitet hat und zur Wolkenauflösung führte.
Über der westlichen Ostsee und Osteuropa geht die Kaltfront in eine warm-kalt-aktive Luftmassengrenze über, welche in den vergangenen Tagen Deutschland und Österreich mit leichten Niederschlägen tangierte.

Das dominante System ist ein kräftiger Sturmwirbel westlich der Britischen Inseln, das sich in den kommenden Stunden weiter zum Orkantief vertieft. Es erreicht am Sonntag abend mit etwa 955 HPa seinen Höhepunkt. Seine Okklusionsfront wird Deutschland unter deutlicher Abschwächung überqueren. Die Gründe für den Frontzerfall sind vielschichtig. Einmal wird die Front zunehmend strömungsparallel, d.h. der Luftmassenunterschied schwächt sich ab und die frontogenetische Querzirkulation erlahmt, zum Anderen läuft die Front aus dem Höhentrog über den Britischen Inseln heraus und verliert damit an dynamischen Hebungsantrieb und Höhenkaltluft. Die Wolken verringern ihre vertikale Mächtigkeit, die Niederschlagseffizienz sinkt.

Der Grund für die weitere Vertiefung des Orkanwirbels ist in der Lage im (linken) Jet(auszug) zu suchen, sowie in dem stark konvektiven Charakter im Kernbereich der Zyklone (Freisetzung latenter Wärme). Am Imposantesten ist aber die pinke Luftmasse mit den zahlreichen konvektiven Zellen über dem Atlantik, die sich von der Davisstraße bis nach Irland vorschiebt. Ebenfalls gut erkennbar ist die Lage der Jetachse am Farbwechsel von pink zu blau über dem Nordatlantik sowie die Jetbewölkung auf der warmen Seite des Jets (Warmluftadvektion = Hebung).

Folgender Querschnitt startet von der Mainlinie und endet an der Karasee. Von besonderem Interesse ist hierbei das, was zwischen Finnischem Meerbusen und Karasee passiert ist.

Dargestellt sind Feuchtisentropen und die relative Feuchte in Prozent. Das Interessensgebiet erstreckt sich von 62° bis 68°N, wo sich in den unteren Schichten von 800hPa bis 1000hPa ein Kaltluftsee aufgebaut haut. Hier sind die Isentropen dicht gedrängt (stabil) und verlaufen quer zur Höhe, d.h. Theta-e nimmt mit der Höhe zu. Darüber befindet sich eine ausgedehnte trockene Zone mit relativen Luftfeuchten von 20 bis 60%.

Die Obergrenze dieser trockenen Luftmasse geht über 300hPa hinaus, daran sieht man, dass es sich um einen Dryslot handeln muss. Der Prozess, der dazu führte, nennt sich Dry Intrusion. Sie führt trockene Luft aus der oberen Troposphäre bzw. unteren Stratosphäre bis in die untere Troposphäre. Im Bereich des Dryslots herrscht eine potentiell stabile Schichtung, da die Theta-e mit der Höhe zunehmen. Die Dry Intrusion ist somit der Grund für den markanten Wolkenrückgang über Fennoskandinavien.

Nachfolgendes Wasserdampfbild zeigt die ausgeprägten Dryslots über Fennoskandinavien und westlich der Britischen Inseln.

Zusätzlich ist Positive Vorticityadvektion in 500hPa geplottet. Auffallend ist hierbei, dass an der Vorderkante des Dryslots die stärkste PVA auftritt, damit auch der intensivste Hebungsantrieb. Dies entspricht auch den konzeptionellen Modellen der Isentropen potentiellen Vorticity. Anwendung findet diese Anschauung beispielsweise in den Convective Weather Maps von Oscar van der Velde, welcher die potentielle Vorticity in 400-600 hPa plottet. Im (deutschen) Leitfaden heißt es hierzu:

"Wird benutzt, um atmosphärische Prozesse in einer anderen Weise hervorzuheben. PV ist eine konservative Größe für adiabatische Prozesse, gleichwertig zu Impuls. Sie kann für die Zurückverfolgung von Luftmassen verwendet werden. Die Tropopause wird gewöhnlich mit 2 PV-Einheiten verbunden, mit niedrigerer PV darunter. Starke Vertikalbewegungen können die Tropopause derartig deformieren, dass Luft mit hoher PV in die Troposphäre gelangt und absinkt. Eine vorhandene, kräftige PV-Anomalie in mittleren Höhen oder darunter weist entweder auf starkes postfrontales Absinken oder eine Blase mit mitteltroposphärisch kalter Luft mit steilen Temperaturabnahmen und hoher Vorticity hin. Ich werde nicht tief in die PV-Theorie gehen, doch für den praktischen Gebrauch: starke Vertikalbewegungen können vor einem PV-Maxium erwartet werden, anders gesagt, mitteltroposphärische Temperaturabnahmen werden steiler und Vorticity in diesem Niveau erzeugt Aufwärtsbewegungen in die Richtung, in der sich ein PV-Maximum bewegt. Besonders die dunkelblauen und violetten Farben erfordern Aufmerksamkeit. Die Muster in dieser Karte entsprechen häufig den dunklen Bändern in Wasserdampfsatellitenbildern (Einschub trockener Luft)."

Quelle: Leitfaden zu Lightningwizardmaps

© www.wetteran.de