Wet-Bulb Zero (WBZ)

WBZ ist die englische Abkürzung für wet-bulb zero, zu deutsch: Höhe der 0°C-Grenze der Feuchttemperatur. Die Feuchttemperatur ist diejenige Temperatur, die an einem feuchten Thermometer gemessen wird. Sie ist ein Maß für die Verdunstung in der Luft. Durch die Verdunstung wird der Umgebungsluft Wärme entzogen, weswegen die Feuchttemperatur immer niedriger als die Lufttemperatur (der trockenen Luft) ist. Je größer die Differenz zwischen Trocken- und Feuchtthermometer, desto trockener ist die Luft.

Das WBZ spielt daher eine wichtige Rolle zur Bestimmung des Aggregatszustands des Niederschlags. Bei (großem) Hagel liegt das WBZ bestenfalls zwischen 2,5km und 3km, für Schneefall in Bodennähe und für Graupel einige Hundert Meter darüber.

Zum Zeitpunkt des obigen Beispieltemps aus Stuttgart wird mit einer Warmfrontwelle sukzessive wärmere Luft herangeführt. Die Warmfrontinversion befindet sich in etwa 650hPa Höhe, darunter ist eine extrem trockene Luftmasse vorhanden, die aus vorherigem, kräftigen Absinken auf einer intensiven Keilvorderseite resultierte.

Beobachtet wurden Eiskörner, Schneefall und Schneeregen bei Plusgraden von 8-10°C.

Das WBZ wird konstruiert, indem man von einer beliebigen Höhe ein fiktives LCL bestimmt, d.h. der Taupunkt folgt dem Mischungsverhältnis und die Temperatur der Trockenadiabaten bis zum Schnittpunkt. Anschließend geht man entlang der Feuchtadiabaten soweit nach unten, bis man die 0°C-Isotherme schneidet. Am Schnittpunkt liegt das WBZ - in diesem Fall in etwa 500m Höhe. In Stuttgart selbst reicht diese Höhe nicht für Schneefall aus. Die Schneeflocken schmelzen beim Unterschreiten des WBZ und werden kurzzeitig mit einem Wasserfilm überzogen. Dieser verdunstet jedoch in der extrem trockenen Luft teilweise und die entzogene Wärme führt zum Anfrieren des Wasserfilms, wodurch es zu verkörnten Schneeflocken kommt.

In höheren Lagen hingegen fällt bei dieser Temperatur+Feuchte-Konstellation durchweg Schneefall. © Felix Welzenbach