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Leitfaden zur Wetterbesprechung - eine Übersicht

Felix Welzenbach

27. September 2009 - UPDATE

Die Wetterbesprechung wird seit dem Sommersemester 2009 von drei Studenten gehalten.
Zusammenfassung:

In Österreich ist es noch ein Pflichtfach, das zum Abschluss des Meteorologiestudiums zu absolvieren ist, in Deutschland zählt es dagegen häufig nur als Wahlfach und ist entsprechend abgespeckt: die Wetterbesprechung. Hierbei sollen der Theorie nach die im Studium erlangten Theoriekenntnisse in die Praxis umgesetzt werden, indem für den entsprechenden Ort des Instituts eine Wettervorhersage erstellt wird.

Dieser Leitfaden soll das notwendige Verständnis und hilfreiche Tipps zur Interpretation von Wetterkarten, der Verwendung von Hilfsmitteln und die Erstellung von Lokalvorhersagen vermitteln. Ich möchte mich dabei eng an die Struktur der Wetterbesprechung am Institut für Meteorologie & Geophysik an der Universität Innsbruck halten.

Inhalt

1. Die Wetterbesprechung in Innsbruck

Die Wetterbesprechung in Innsbruck wird seit dem SS 2009 von drei Studenten gehalten, sie gliedert sich daher in die drei folgenden Teile:

1.1 Analyse

Der Analyst ist außerdem für die Klimabeobachtung in der Villa am Nachmittag zuständig.

1.2 Innsbruck

1.3 Zweitort und Mittelfrist

Welche Karten abzugeben sind, bitte dem Aushang im Wetterbesprechungsraum (9. Stock) des Instituts entnehmen. Grundsätzlich müssen Bodenwetterkarten noch gemalt und abgegeben werden, Karten mit einzuzeichnenden Fronten werden als pdf abgespeichert und an Georg geschickt. zurück

2. Allgemeine Hinweise zur Verwendung von Wetterkarten

An unserem Institut besteht Zugang zum EZMWF (kurz: EZ)-Modell und seinen Produkten, die in verschiedenen Auflösungen für den Zirkumpolarausschnitt, den Atlantik- und Europa, sowie den Alpenausschnitt gerechnet werden. Hierbei lassen sich im wesentlichen die wichtigsten Faktoren für die Lokalvorhersage bestimmen, z.B. Bewölkung, Niederschlag, Luftmassen(wechsel), Anströmung, etc. - spezielle Produkte wie das Ensemble-Predicition-System (EPS) erlauben eine Vorhersage, die sich an dem Mittel zahlreicher Modellläufe (bei EZ: 51) orientiert. Mit Hilfe des EFI (Extreme Forecast Index) lassen sich Extremereignisse in der Modellklimatologie (!) vorhersagen, die bezogen auf die Modellklimatologie zu ungewöhnlich warmer, kalter, nasser oder windiger Witterung in Europa führen. Meist reicht die Zeit bei der WB allerdings nicht aus, um alle Produkte auszureizen, sodass man sich - zumindest in der ersten WB-Woche auf die grundlegenden Wetterkarten beschränken sollte.

Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die Verwendung eines einzigen Modells nicht immer zielführend ist, besonders nicht bei unsicheren Wetterlagen mit beispielsweise großer Streuung in den EPS-Mitgliedern. Für die Öffentlichkeit und natürlich auch am Institut ebenfalls verfügbar ist das amerikanische Global Forecast System (GFS), welches sich besonders im Kurz- und Mittelfristbereich neben dem EZ als das beste Wettervorhersagemodell herausgestellt hat. Daneben gibt es zwar auch weitere Modelle wie UKMO (England), GME (Deutschland), NOGPAS (Navy), GEM (Kanada), die jedoch nur beschränkt öffentlich verfügbar sind und auch unterschiedliche räumliche und zeitliche Auflösungen aufweisen.

Daneben gibt es noch die sogenannten MOS-Daten (Model Output Statistics). Sie basieren auf statistischen Verfahren mit einer Art "Gedächtnis" des Modells, welches sich an ähnliche Wetterlagen der Vergangenheit erinnert und daraus eine Prognose ableitet. Es erlaubt die Vorhersage von Bewölkung, Niederschlag, Sonnenscheindauer, Temperaturen und Wind, z.T. als Angabe in Wahrscheinlichkeiten. Für den schnellen Überblick und als Anhaltspunkt gut geeignet. Der Nachteil ist, dass es nur zwei Mal täglich erscheint und durch die Mittelung Extremwerte gefiltert werden, also hohe Niederschlagssummen und hohe Windgeschwindigkeiten tendenziell unterschätzen. In orographisch beeinflussten Gelände nicht immer genau, da äußere Einflüsse nicht einberechnet (z.B. Druck-Temperaturabhängigkeit in einem Alpental).

Weiters gibt es das EPS - Ensemble-Prediction-System, welches in den EZMWF-Produkten verfügbar ist. Seit dem WS 08/09 hat man sowohl 10- als auch 14-Tages-Prognosen, die sich in der Darstellung geringfügig unterscheiden (neu ist jeweils die Inkludierung der 10er und 90er-Perzentile im Whisker-Plot). Sie zeigen für einen bestimmten Gitterpunkt (!) den Bedeckungsgrad, die 2m-Temperatur, Wind und Niederschlag an. Der Whiskerplot besteht aus dem Median, der 50% aller Ensemble-Mitglieder enthält, und der 10-, 25-, 75- und 90-Perzentile. Zudem geplottet sind der deterministische Lauf (beste Auflösung + beste Anfangsbedingungen) und der Kontrollauf (geringere Auflösung + beste Anfangsbedingungen). Die Ensemble-Mitglieder werden mit der Auflösung des Kontrollaufs und mit geringfügig veränderten Anfangsbedingungen gerechnet (vom Prinzip her identisch zu den Ensemble-Mitgliedern des GFS-Modells).

EPS-Prognosen dienen generell zur groben Abschätzung der Wetterentwicklung und zum Erkennen von Tendenzen. Keinesfalls darf man die Werte eins zu eins abschreiben, vor allem dann nicht, wenn die Modelltopographie nicht der realen Topographie entspricht. Innsbruck wird z.B. bei EZ auf 1240m gerechnet, befindet sich aber tatsächlich auf 580m. Die Modelltopographie löst das Inntal nicht auf und Innsbruck liegt entsprechend am Alpennordrand im fiktiven Stau. Die Niederschlagssummen sind daher oft unrealistisch.

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3. Die Interpretation von hemisphärischen und synoptischen Wetterkarten

Im Folgen möchte ich Beispiele geben, wie die Kartenreihenfolge bei der Wetterbesprechung aussieht. Da die EZ-Produkte nur institutsintern abgerufen werden können, verwende ich andere Modelle bzw. eine etwas andere Darstellung. Vom Prinzip her sie sind aber ähnlich den in der WB verwendeten Karten.

3.1 Zirkumpolarkarte + Äquivalentpotentielle Temperatur (Theta-e)

Die 300hPa-Isohypsen (im Beispielbild: 500hPa) geben Aufschluss über die Intensität der Winde in dieser Höhe (etwa 9km). Zusätzlich farbig eingezeichnet sind die Jetstreaks, anhand deren man Subtropen-, Polarfront- und Arktikjet bestimmen kann. Typisch ist der zonal verlaufende Polarfrontjet über dem Nordatlantik (keine störenden Gebirge) und die Ablenkung des Jets über Nordamerika durch die Rocky Mountains und über Russland (Ural). Je kürzer die Wellen, desto größer die Wellenzahl und desto rascher verlagern sich die Wellen stromabwärts. Bei langen Wellen und kleinen Wellenzahlen ist die Neigung zur Blockade oder gar retrograder Verlagerung der Druckgebiete erhöht. Progressive Wellenmuster sind mit einem zonalen Zirkulationstyp verbunden ("High Index"), stationäre oder retrograde Wellenmuster mit einem meridionalen Typ ("Low-Index"). Letztere zeichnet sich für beständig beständiges oder unbeständiges Wetter aus, je nachdem, ob man sich gerade im Keileinfluss oder im Trogbereich befindet.

Das zugehörige Theta-e-Feld Die zugehörigen Theta-e-Felder zeigen an, welche Luftmassen beteiligt sind - wo größere Kaltluft- oder Warmluftvorstöße stattfinden und entsprechend große Luftmassenumwälzungen bzw. Trog- und Keilaufbau/vorstöße zu erwarten sind.

Quelle: EZMWF und wetter3

Hinweis: In den Zirkumpolarkarten nicht zu detailliert auf die regionale Entwicklung bei uns eingehen (das kommt erst in der Punktprognose), sondern auf großräumige Entwicklungen stromaufwärts verweisen, die in weiterer Folge die Großwetterlage in Europa beeinflussen können.

3.2 Atlantikausschnitt

Im Atlantikausschnitt verwendet man ein sogenanntes "4er-Panel" aus 300hPa-Geopotential+Wind (links oben), 700hPa-Feuchte (rechts oben=, relative Vorticity (links unten) und 850hPa-Theta-e (rechts unten).

Vorsicht, in den Beispielbildern (von Wetter3) ist folgendes anders: In 300hPa ist zusätzlich die Divergenz/Konvergenz mit +/- aufgetragen, bei Theta-e- ist noch der Bodendruck dabei und bei der Vorticitykarte ist die absolute (!) Vorticityadvektion dargestellt. Absolute Vorticity setzt sich aus relativer Vorticity und dem Coriolisparameter f zusammen, welcher bei den WB-Karten vernachlässigt ist. Zusätzlich tritt Hebungsantrieb oder Absinken durch Vorticityadvektion in Erscheinung. In den WB-Karten ist also die stärkste Hebung nicht dort zu finden, wo die relative Vorticity am Höchsten ist, sondern dessen Advektion (also stromabwärts des Maximums). Dieser Unterschied ist wichtig !!!!

Was kann man daraus ablesen?

  1. 300 hPa gibt Aufschluss über die Lage von Trögen und Keilen, möglichen "cut-off-Prozessen" sowie Jetstreams. Linker Jetauszug und rechter Jeteinzug sind hebungsfördernde, linker Einzug und rechter Auszug absinkfördernde Gebiete. Außerdem sieht man diffluente Jetbereiche, Trogachsen, stark gekrümmte Bereiche (Krümmungsvorticity!).
  2. 700 hPa-Feuchte zeigt, wie aktiv vorhandene Fronten sind, ob genügend Feuchte für Bewölkung/Niederschlag vorhanden ist, insbesondere in dem Niveau, wo konvektive bzw. effektive Niederschlagsbildung stattfindet.
  3. 500 hPa-Relative Vorticity setzt sich aus Krümmungs- und Scherungsvorticity zusammen. Stromabwärts der Vorticitymaxima herrscht ein Maximum an Vorticityadvektion (meist Vortmax genannt). Grün-blau bedeutet positive Vorticity, rot negative Vorticity. Relative Vorticity nimmt bei starker Krümmung/Scherung zu.
  4. 850hPa-Theta-e sind ein guter Indikator für die Lage von Frontensystemen. Fronten liegen immer auf der warmen Seite der Drängungszone der Isothermen. Bei gut durchmischten Verhältnissen (hochreichende Kaltluftadvektion) kann man von den Theta-e-Werten direkt auf die Schneefallgrenze am Boden schließen. Hohe Theta-e-Werte deuten auf einen hohen absoluten Feuchtegehalt hin.

3.3 Alpenausschnitt

Im Alpenausschnitt von EZ und dem höher aufgelösten ALMO (das für die Randbedingungen die Vorhersage des EZ-Modells nimmt) werden jeweils die 700hPa-Geopotential+Wind+Feuchte (im Beispiel ohne Feuchte), der Bodendruck + 10m-Wind (im Beispiel ohne Wind) sowie der Niederschlag dargestellt. Je nach Auflösung resultieren unrealistische Druckinseln, die die Modelltopographie widerspiegeln. Eine höhere Auflösung bedeutet nicht notwendigerweise eine bessere Vorhersage. Stark geneigte Topographien im Modell suggerieren Auf- und Abwindgebiete, die real nicht vorhanden sein müssen. Ein hochaufgelöstes Lokalmodell zeigt zwar realitätsgetreuere Niederschlagsmengen an, jedoch z.T. ortsversetzt ("double penalty"). Ein Global hat vielleicht nur die Hälfte des wahren Niederschlags, dafür am richtigen Ort und ist im Mittel daher besser.

Nichtsdestotrotz lassen sich auch bei schlechter aufgelöster Topographie, wie dem Inntal und Karwendel, Eigenschaften erkennen, die sich mesoskalig gut deuten lassen, z.B. ein längliches Niederschlagsminimum im Bereich Innsbrucks deutet auf Föhneffekte durch das Wipptal hin. Parallel zur Front orientierte Täler weisen generell ein Manko an Hebungsantrieb auf, im Gegensatz zu quer zur Front verlaufende Täler. Beispiele bei Nordanströmung: Achenpaß, Wipptal, Ötztal, Kaunertal, Pitztal (parallel), Inntal (quer), Salzachtal....

Quelle: wetter24

Was kann man daraus ablesen?

  1. 700hPa-Wind + Feuchte - Feuchte ist nicht gleich Wolken! Je nach Intensität und Richtung der Anströmung ist Nord-, West- oder Südföhn möglich. Stau/Leeeffekte beachten.
  2. Bodendruck+10m-Wind - Starke Druckgradienten zeigen erhöhtes Föhnpotential, unabhängig von der Anströmung, 10m-Wind inneralpin unrealistisch, da Täler nicht aufgelöst.
  3. Niederschlagssummen - Achtung wegen der Modelltopographie. Niederschlagssummen bei Stau meist zu hoch (Nordföhn!), bei konvektiven Niederschlägen oft an den Hauptkamm gekoppelt (Tagesgang der Temperatur). Beachte auch die Effektivität von Tal- und Hangwindsystemen. Im Sommer überwiegt bei nicht allzu starkem Hochdruckwetter das Wachstum der konvektiven Grenzschicht in der Talatmosphäre (Hebung durch Sonneneinstrahlung), während im Winterhalbjahr das kompensatorische Absinken das Zepter übernimmt (sprich an den Hängen Aufsteigen, im Tal Absinken). Sehr lehrbuchhaftes Beispiel: 19. und 20. Oktober 2007 - nachts Schneefälle, tagsüber weitgehend trocken, an den Bergen dicht bewölkt und andauernde Schneefälle, abends wieder ins Tal übergreifend.
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4. Die Verwendung von Fernerkundung (Satellitenbild, Radar)

Satellitenbilder veranschaulichen die aktuelle oder vergangene Wetterlage - man kann darauf Frontensystem identifizieren, mitunter die Jetstreams, aber auch polare Kaltuftvorstöße, die mit hochreichender Schauerbewölkung verbunden sind.

Das Infrarot-Satellitenbild vom 1. November 2008, 20.45 MEZ, zeigt folgende Eigenschaften, die das Herz eines jeden Synoptikers höher schlagen lassen sollte:
  1. Okklusion über England mit Okklusionspunkt südliche Nordsee
  2. Kurze Warmfront über Norddeutschland
  3. Kaltfront von Benelux bis Südfrankreich
  4. Übergehend in eine Warmfront über Nordspanien
  5. Kaltfront über Marokko
  6. Kurze Okklusion über der Straße von Gibraltar
  7. Hochreichender Kaltluftvorstoß westlich von Portugal mit Quellbewölkung
  8. Subtropenjet mit Cirrostrauts über Algerien/Tunesien
  9. Okklusion von Irland, Schottland bis zur norwegischen Küste
  10. Neues Frontensystem westlich von Island

Als geübter Synoptiker kann man die Systeme schon aus der Hüfte heraus bestimmen. Zu Beginn ist es aber sicherer, sich zunächst die aktuellen Wetterkarten anzuschauen und mit dem Satellitenbild abzugleichen.

Auch Wellenstrukturen im Lee von Gebirgen (Schwerewellen) zeichnen sich oftmals gut im Satellitenbild ab. Weiters kann man auch die sichtbaren Kanäle (Visible) oder Wasserdampfbilder einstreuen.

Das RGB-Satellitenbild * vom 31. Oktober 2008, 12.20 MEZ, zeigt eine großräumige Leewelle, die sich vom Schweizer Alpenvorland über das bayrische Alpenvorland bis ins Innviertel erstreckte. Sie brachte im Regenradar signifikante (d.h. messbare) Regenmengen, die teilweise auch den Boden erreichten.

Die Ursache lag in der südlichen Anströmung des Alpenraums begründet, die zu kleineren Leewellen (bänderförmige Wolken - blau markiert) über Osttirol und Kärnten führte. Nördlich des Hauptkamms sank die Luft ab und sorgte für eine markante, fast wolkenfreie Zone (rot markiert), insbesondere vom Ober- und Unterinntal über die Kitzbüheler Alpen bis in die Obersteiermark.

Weiter nördlich stieg die Luft wieder auf (eben eine Leewelle), und im aufsteigenden Ast konnten sich durch Hebungskondensation kompakte, niederschlagsträchtige Wolken (weiß markiert) entwickeln. Meist aber verdunsteten die Niederschlagsteilchen in der trockenen Föhnluft darunter.

* Das RGB-Bild entsteht durch Überlagerung dreier Frequenzkänäle (ein Kanal R for rot, einer G für gelb und einer B für blau), zwei Infrarotkanäle und einen nahe-Infrarotkanal, letzterer unterscheidet in der Absoprtion zwischen Wasser und Eis. Die resultierenden Farbnuancen zeigen die Unterschiede zwischen tiefen und hohen Wolken.

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5. Die Erstellung einer Punktprognose

Die Punktprognosen für Innsbruck und den Zweitort stellen das Kernstück der WB dar. Der Zweitort sollte dabei so gewählt werden, dass er in der Vorhersagewoche von aktivem Wetter betroffen ist, d.h. durch Frontensysteme, Föhn, markante Luftmassenwechsel, etc. beeinflusst. In der automatisch generierten WB-Präsentation sind die Vorhersagekarten von EZ und ALMO für Innsbruck jeweils aktualisiert, während man für den Zweitort oft eigene Karten verwenden muss. Natürlich kann man auch andere Modelle verwenden, z.B. GFS oder Lokalmodelle, die auf den jeweiligen Zweitort besser zugeschnitten sind. Das ist in der ersten WB-Woche aber oft noch zu zeitaufwendig.

Wichtig bei der Kurzfristprognose ist der Vergleich der Modellrechnungen mit aktuellen Beobachtungen. Sind die vorhersagten Auflockerungen tatsächlich eingetreten? Ist der Temperaturverlauf entsprechend der Modellprognose? Liegt die Kaltfront dort, wo sie für den betreffenden Zeitpunkt simuliert wurde? Stellt man hier größere Unterschiede fest, dann muss man bei der weiteren Vorhersage mitunter auf ein anderes Modell zurückgreifen, da vom betrachteten Modell die Anfangsbedingungen nicht korrekt sind. Dann verkommt die Vorhersage auch einmal zum "Nowcasting", d.h. mit Hilfe von Synops, Satelliten- und Radarbildern die nächsten Stunden (die kommende Nacht) vorhersagen.

Seit dem Wintersemester 2008/2009 wird bei der Punktprognose der Schwerpunkt auf die synoptische Entwicklung gelegt, weniger auf die punktgenauen Zahlenwerte, d.h. man soll möglichst aussagekräftig und logisch erklären, wie und warum sich das Wetter so entwickelt, und welche Auswirkungen das für den Ort hat. Ob das Maximum nun auf 18 oder 19°C zentriert wird, ist dann eher nebensächlich.

Folgende Ratschläge gelten ausschließlich für eine Punktprognose Innsbruck und können nicht ausnahmslos auf Zweitorte übertragen werden. Innsbruck nimmt in der Wetterprognose generell eine Sonderstellung aufgrund seiner herausfordernden, topographischen Lage ein (Föhneffekte, Volumenseffekt in einem Tal, synoptisch abgekoppelt).

1. Wetterverlauf
Der Wetterverlauf sollte ausführlich geschildert werden. Sätze logisch miteinander verknüpfen (auf Rechtschreibung und Grammatik achten) - sich von einem großem "scale" zum kleinen "scale" vorarbeiten, d.h. erst kommt die Großwetterlage (Trog, Keil), dann die mesoskalige Synoptik (welche Hebungsantriebe, Fronten, Luftmassen), dann die Auswirkungen (welches Wetter ist aufgrunddessen zu erwarten?). Genaue Uhrzeiten oder Zahlenangaben vermeiden.
Beispiel: -- Im Tagesverlauf zunehmende Südanströmung, südlich der Alpen aufkommender Stauniederschlag, nachmittags durchgreifender Föhn in Nordtirol. In der Nacht Durchgang eines Kurzwellentrogs mit eingebettetem Vorticitymaximum, teilweise übergreifende Staubewölkung (Föhnmauer weit nach Norden versetzt) , jedoch weiterhin föhnig im Wipptal- und Inntal und kaum Niederschlag (Spuren).
2. Temperaturminimum
Wenn sich die Luftmasse nicht ändert (Hochdrucklage), kann man auf Persistenz setzen. Dann ist der Taupunkt zu Sonnenuntergang etwa die Tiefsttemperatur am nächsten Morgen. Vorsicht bei Hochnebellagen! Bei Aufgleitniederschlägen kann man von 850hPa feuchtadiabatisch herabrechnen, bei konvektiven Niederschlägen und nachfolgender Auflockerung (sinkender Taupunkt) besser halbtrocken/halbfeucht rechnen. Bei tagsüber andauernder Kaltluftadvektion kann sich ein "inverser" Tagesgang einstellen. Bei durchgehenden Föhn kühlt es mitunter nur wenig ab. Thermisch bedingtes Ausfließen bringt die Kaltluft aus dem Oberinntal (Taupunkt Landeck!) zu uns.
Abhilfe: -- MOS-Mix, Tool "Schätzle" im Ertel, Taupunkte stromaufwärts bzw. zu Sonnenuntergang.
3. Temperaturmaximum
Im Winterhalbjahr von 925hPa bis 850hPa trockenadiabatisch herabrechnen, im Sommer von 700hPa (bei Hochdrucklagen, Föhn), bei seichtem Föhn oder Nordföhn zwischen 850hPa und 700hPa. Selbst im Hochwinter kann es in Innsbruck beachtliche Tagesgänge von bis zu 15K geben (Volumenseffekt). Wenn die Talatmosphäre noch feucht/ der Boden nass ist, fließt ein Teil der Sonnenenergie in die Verdunstung, wird in latente Wärme umgewandelt und steht der fühlbaren Erwärmung nicht zur Verfügung. Bei Hochnebel und Dauerniederschlag ist maximal ein Tagesgang von 3K möglich, beachte inversen Tagesgang (Maximum am Vormittag, Minimum am Nachmittag), konvektive Bewölkung hemmt die Erwärmung, falls sie sich an einer Absinkinversion horizontal ausbreitet.
Abhilfe: -- trocken- oder feuchtadiabatisch von verschiedenen Höhen herabrechnen
4. Niederschlagswahrscheinlichkeit und -summen
  • Bei konvektiven Niederschlag nie 100% geben. Es besteht immer die Möglichkeit, dass Schauer an der Station vorbeiziehen.
  • Stauniederschlag an der Nordkette weht gerne bis zum Flughafen aus ("Spuren"), ebenso kanns bei starkem Südföhn aus der Föhnmauer nieseln
  • Bei Südföhn ist die Niederschlagswahrscheinlichkeit viel geringer als bei Nordföhn
  • Modelltopographie löst Inntal nicht auf -> Niederschlag bei Nordstau deutlich überschätzt
  • Warmfronten aus nördlichen Richtungen bringen die heftigsten Niederschläge, ebenso Kaltluftadvektion vom Unterinntal und darüber Südwind mit Aufgleiten ("Gegenstromlage", "virtuelle Topographie"), aber nur bei Kaltluft im Inntal, sonst Föhn.
  • Klimatologisch: Im Winter mehr Niederschlag in der Nacht als am Tag, im Sommer in den späten Abend verschoben
  • Zusammenbruch der Talwindsysteme bringt im Sommer abends manchmal Schauer/Gewitter
  • Hochnebel kann im Winter zu messbaren Neuschnee führen, wenn Seeder-Feeder-Effekt eintritt
  • Im Zweifel auf Spuren absichern, lieber zu große als zu kleine Niederschlagsspanne.
Abhilfe: -- EPS-Meteogramm (Modelltopographie beachten), MOS-MIX, Modellniederschlag
5. Niederschlagsart
Es gibt keine konvektiven Schauer/Cbs (das ist doppelt gemoppelt, weil ein Cb per definitionem eine Schauerwolke ist). Bei Gewitterlagen auf Showalter Index, Lifted Index bzw. CAPE schauen (Sondenaufstiege!), die Schichtung ist entscheidend (labil, stabil). Vergleiche 850hPa und 500hPa-Temperaturen. Die Niederschlagskarten des GFS in der Wetterzentrale (rot punktiert = konvektiver Niederschlag) geben gute Anhaltspunkte.
Abhilfe: -- Lage der Tröge bzw. Höhenkaltluft -> Schauer, unter Warmluftadvektion, Okklusionen eher stratiform, bzw. bei reinem Stau (selten)
6. Schneefallgrenze
Bei Aufgleitniederschlägen (Isothermie!!!) ist die Bestimmung der Schneefallgrenze mit Theta-e-Karten nur bedingt möglich, dies funktioniert meist nur bei konvektiven Niederschlägen (Kaltluftadvektion im Trogsektor). Sonst an Frostgrenze orientieren und davon 400m Fallstrecke einer Schneeflocke abziehen. Verdunstungskälte ist dann effektiv, wenn die Luft recht trocken ist (z.B. bei seichtem Föhn).
Abhilfe: -- Theta-e, Frostgrenze
7. Sonnenscheindauer
Feuchte/Bewölkungskarten in verschiedenen Höhen (300hPa-925hPa), bei konvektivem Niederschlag meist Auflockerungen möglich, bei Warmfront/Okklusionsniederschlag sowie Hochnebellagen eher längere Zeit dicht. Bei Föhn größere Wolkenlücken (beachte Sonnenstand und Lage der Föhnmauer sowie "Dimmerföhn")
Abhilfe: -- EPS-Meteogramm, Modellvergleich, aktuelle Satellitenbilder
8. Nebel/Hochnebel
Nebel tritt in Innsbruck nur selten auf, meist bei starker Abkühlung oder Warmluftadvektion bei Nässe (kein Schnee) am Talboden (Jänner 2007/08), dann sogar ganztägig Nebel möglich. Hochnebel entsteht durch a) Ausstrahlung b) Wiederholungstyp c) vom Alpenvorland ins Inntal advehiert. Voraussetzung bei allen Typen ist i) ein taleinwärts gerichtetes Druckgefälle (Bewölkung im Alpenvorland, Oberland beachten) ii) eine Absinkinversion in/unter Kammniveau, an der sich der Hochnebel ausbreiten kann und iii) Ausstrahlung oberhalb der Inversion, die Abkühlung am Talboden ermöglicht.
Abhilfe: -- Entscheidungsbaum im WB-Zimmer, Synops am Nachmittag von Alpenvorland/Inntal beachten, Absinkinversion vorhanden?
9. Föhn
Voraussetzung: Luftmassenunterschied und/oder Anströmung, Abwesenheit eines Kaltluftsees im Inntal. Nordföhn bei hochreichender Kaltluftadvektion, seltener bei Warmluftadvektion; Westföhn meist bei leicht antizyklonaler Westströmung übern Arlberg; Südföhn seicht (Westwind in der Höhe, Südföhn in tiefen Schichten) und hochreichend möglich. Im Wipptal reicht schon eine schwache Südströmung bzw. starke Westströmung für Südföhn aus, außer es handelt sich um eine "Gegenstromlage", wenn das Inn/Wipptal mit Kaltluft gefüllt wird.
Abhilfe: -- MOS-MIX-Windrichtungen von 110-130° und erhöhten Böen sind immer föhnverdächtig, sonst EPS-Meteogramm (15-Tage, dort mit Windsektoren), 700hPa-Wind, Bodendruckgradient

Bemerkung: Worte wie freundlich, schönes, schlechtes...Wetter meiden....statt oben und unten bitte Norden und Süden...beachte außerdem, dass nicht jedes Höhentief ein Kaltlufttropfen ist.

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6. Mittelfristprognose

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7. Linksammlung

Hilfreiche Links sind im "Ertel" (nur institutsintern) erhältlich, sowie auf meiner Webseite unter "Links". Im Magazin sind zudem zahlreiche Lehrartikel vorhanden, die die Synoptikkenntnisse nochmals auffrischen oder erweitern können.

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