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Extremwetterkongress 2007 in Hamburg sowie Bilder von meinem ersten Flug

Gliederung:

Von 22. März bis 23. März 2007 fand der zweite Extremwetterkongress (EWK) in Hamburg statt. Ich möchte an dieser Stelle zunächst Frank Böttcher, dem Veranstalter des Kongress, für seinen unermüdlichen Einsatz und Bemühungen danken, die den EWKim Nachhinein durchaus als gelungen in den Erinnerungen der Teilnehmer behalten dürften. Nichtsdestotrotz möchte ich in dem folgenden Erlebnisbericht auch einzelne Kritikpunkte ansprechen, die beim kommenden EWK 2008 in Bremerhaven vielleicht noch zur Optimierung beitragen könnten. Neben den Schilderungen zum EWK bringe ich zunächst einige Bilder zu meiner allerersten Flugreise, die Donnerstag morgen um 6.15 in München startete und mich durch eine interessante meteorologische Reise führte. Zum EWK selbst habe ich mangels guter Lichtqualität und Gelegenheiten keine Bilder vorzuweisen. Diesbezüglich gibt es von anderen Teilnehmern schon genügend Bilder, z.B. im Bericht von Marco Puckert.

Die Anreise

Am Mittwoch abend machten sich Helge Tuschy und ich mit leichtem Gepäck auf dem Weg zum Innsbrucker Bahnhof, um die Zugfahrt nach München anzutreten. Nachdem es jedoch in der Nacht zu Mittwoch außerordentlich starke Schneefälle im Nordalpenraum gab, der nebenbei auch Innsbruck bis zum Morgen eine 15-17cm hohe Schneedecke bescherte, war leider die von uns gebuchte Zugstrecke sowie Bundesstraße (Ersatzbusse) über Seefeld wegen Lawinengefahr gesperrt. Entgegen den offiziellen Meldungen des ÖAMTC behauptete ein Angestellter am Bahnschalter zwei Mal, dass die Strecke auf jeden Fall mit Ersatzbussen zu befahren sei. Am Infopoint erfuhren wir Gegenteiliges, erhielten problemlos einen Umtausch der Karte, mit der wir über Kufstein fahren konnten.

Als dieses Problem geklärt war, konnten wir sorglos in den Eurocity aus Verona nach München einsteigen. Uns überfiel bleiernde Müdigkeit. Mich besonders, da ich am Mittwoch dank dem 75er Schneefall bereits seit 7.00 wach war und abends schon ziemlich geschlaucht war. Während der Zugfahrt konnte ich vor Aufregung über den bevorstehenden Flug nicht schlafen und versuchte stattdessen ein schwieriges Sudokurätsel zu lösen, an dem ich aber mangels Konzentrationsfähigkeit scheiterte.

In München am Hauptbahnhof angekommen hatten wir über fünf Stunden Aufenthalt, ehe die erste S-Bahn zum Flughafen fuhr. Wir nutzten die Zeit zu einem ausgedehnten Spaziergang über den Stacchus bis zum Marienplatz und Nationaltheater und wunderten uns über ein ausgestorbenes München, in dem außer wenigen, meist englischsprachigen, Touristen niemand unterwegs war. So war es auch gegen Mitternacht schwierig, noch ein offenes Lokal zu finden, aber wir fanden noch eines. Gegen ein Uhr begaben wir uns auf den Rückweg und stillten im Burger King am Bhf unseren Hunger, wo sich allerdings reichlich eigenartige und nicht sehr vertrauenserweckende Gestalten tummelten. Die Zeit ging erstaunlicherweise rasch vorbei - mit der ersten S-Bahn um 3.18 fuhren wir zum Flughafen. Dort angekommen dauerte es weitere 45min, bis wir endlich einchecken konnten. Zum Glück bekam ich einen Fensterplatz. Gegen fünf Uhr forderte die Natur ihr Recht und ich intravenierte mir ein Red Bull, damit ich während dem Flug bzw. dem Kongress nicht einschlief. Danach war ich entsprechend aufgeputscht und entsprechend nervös, als wir zur Sicherheitskontrolle gingen. Man musste alle Metallgegenstände auf das Band legen, einschließlich Jacke und Rucksack und sich dann von den Sicherheitsleuten mit dem Metalldetektor abtasten lassen. Es lief alles reibungslos und auch die 10ml Flüssigkeit, die ich als Probe-Shampoo mitgenommen hatte, wurden nicht beanstandet. Nachdem diese Prozedur vorbei war, hieß es - in der Wartehalle Platz zu nehmen. Ich war natürlich immer aufgeregter und dank Red Bull nun auch hellwach und sehr redselig. Langsam wurde es draußen heller, wenn auch nicht wolkenlos. Leise Enttäuschung kam bei mir auf, so hoffte ich doch auf einen schönen Sonnenaufgang, da wir nur 3min nach diesem starten sollten. Dann kam der Aufruf unserer Maschine. An Board - es war eine Boeing 737 von AirBerlin/DBA - war es doch ziemlich eng. Ich saß am Fenster vor der rechten Turbine, was zwar einerseits praktisch wegen der Sonne war, aber andererseits für mich auch mulmig, wenn man die Turbine immerzu anstarrt und hofft, dass sie nicht ausfallen wird oder plötzlich zu brennen anfängt. Die übelsten Katastrophen malt man sich da so aus. Übersicht

Der Flug - ein meteorologischer Augenschmauss

Zunächst ein kurzer Überblick über die Wetterlage zur Flugzeit zwischen 5.15 UTC und 6.15 UTC:

Das Farbcomposit von Eumetsat zeigt die Wetterlage über Mitteleuropa um 06.00 UTC. Helle Farben indizieren hohe Wolken, bräunliche Farbtöne mittelhohe Wolken, graue Farbtöne tiefe Wolken, pinke Farben stehen für obertroposphärische oder stratosphärische, also sehr trockene Luftmassen. Eingezeichnet in ihrer ungefähren Lage sind München und Hamburg. Die Flugroute sah etwa so aus, wie die Verbindungslinie es andeutet.

Man sieht einen zyklonalen Wirbel über Nordbaden mit einem Okklusionsband von Bayern über Ostfrankreich bis nach Hamburg und Brandenburg, das in ein verdicktes, helleres Wolkenband über Westpolen übergeht. Rückseitig der Okklusionsfront zeigt sich eine sehr trockene Zone mit Stratosphärenluft und niedrigen Wolken über Südhessen und Westfranken. Ein weiteres Band mit Stratosphärenluft erstreckt sich über Südskandinavien bis zum westlichen Belgien und Nordfrankreich.

In den Höhenwetterkarten (500mb, links; 300mb, rechts) sieht man ein ausgedehntes, vor allem in den höheren Schichten ausgeprägtes Tiefdrucksystem über Mittel- und Südeuropa - mit Temperaturen von verbreitet unter -30°C in 500hPa. Ein Höhentiefkern befindet sich über Tschechien, ein weiterer über dem Tyrrhenischen Meer. Die nordöstliche Höhenströmung nimmt an der Nordwestseite des nördlichen Höhentiefs deutlich zu. In 300mb befindet sich genau im Bereich der Okklusionsfront eine Zone mit etwa -55°C kalten Luftmassen Dies passt jedoch nicht zur Meldung des Piloten, die während dem Flug durchgesagt wurde : "Wir befinden uns derzeit in 36.000 ft (ca. 12km) Höhe, es herrscht eine Temperatur von -54°C (und wir fliegen mit 820km/h)." Denn 300mb-Höhe sind umgerechnet etwa 9km. Die Diskrepanz lässt sich aus dem Radiosondenaufstieg weiter unten aufklären. Vorher aber möchte ich noch auf die etwas wärmeren Luftmassen zwischen der Okklusionsfront hinweisen, die man in der 300mb-Karte ebenfalls erkennen kann. Sie fällt mit der Stratosphärenluftzunge (siehe oben) zusammen. Die Erklärung liegt auf der Hand - trockene Luft sinkt ab und erwärmt sich adiabatisch mit 1K/100m, wohingegen innerhalb der hochreichend feuchten Okklusionsfrontluft ein feuchtadiabatischer Gradient zu beobachten ist.

Im Radiosondenaufstieg links (Kümmersbruck, Ostbayern) sieht man sehr schön die Verhältnisse, die zum Zeitpunkt als auch zur Position des Fluges in etwa geherrscht haben. Er zeigt eine gesättigte Schicht von etwa 700m bis auf 650mb - bedeckt von Stratocumulus/Stratus bzw. Nimbostratus (München). Darüber befindet sich eine durchmischte Schicht mit einem Trockeneinschub, die aus dem stratosphärischem Absinken resultiert, aber von hoher und mittelhoher Bewölkung überdeckt wird. Und siehe da - in 300hPa finden wir die -54°C wieder, die der Pilot gemeldet hat. Nun geht es hier aber in die Stratosphäre über, da die Temperatur mit der Höhe kurz ansteigt und dann isotherm verläuft. Gleichzeitig nimmt die Feuchte weiter stark ab. In Flughöhe, 12km, was etwa 190mb entspricht, herrscht mit der isothermischen Schichtung ebenfalls eine Temperatur von -54°C.

Der Radiosondenaufstieg rechts (Bergen, Niedersachsen) von 07 UTC passt noch näher zum Ort, da sich hier unser Flugzeug bereits auf dem Landeanflug auf Hamburg befand. Besonders eindrücklich ist hier der Warmlufteinschub in der unteren Troposphäre mit einer markanten, wenn auch fast isothermisch verlaufenden Inversion. Keine ungefährliche Flugwetterlage, da diese Konstellation durchaus zu gefrierenden Regen (siehe 3.) führen kann. Im 550mb bis 600mb-Niveau schließt sich wie bei Kümmersbruck eine Trockenschicht an, wenngleich schmaler. In etwa 300mb weist der spread erneut auf Cirrusbewölkung hin. Sehr schön mit dem Warmlufteinschub sieht man die Rechtsdrehung des Windes von Nordwest am Boden auf Nordost in der Höhe, mit mäßiger Geschwindigkeitszunahme auf 30Kn in etwa 900m.

Es ist nun ein besonders schönes Erlebnis, ja geradezu Wetter zum Anfassen, wenn man solche meteorologischen Parameter und Erscheinungen nicht nur auf Modellkarten und Satellitenbildern analysiert, sondern sie live erleben kann. Es ist mit Worten schwer zu beschreiben, was ich bei den folgenden Eindrücken empfand. Der Start ist wohl das Schönste am ganzen Flug, wenn das Flugzeug plötzlich stark beschleunigt und die Landschaft nur so an einem vorbeifegt. Dann hebt man ab, und es ist gar nicht so schlimm, wie man es sich vorher vorgestellt hat. Zwar überkam mir ein flaues Gefühl im Magen, als man beim steilen Aufstieg in den Satz gedrückt wurde... aber der Druckausgleich war gut auszuhalten. Da ist die IC-Zugstrecke zwischen Stuttgart und Heidelberg schlimmer ;-). Zwar war es mir etwas schleierhaft, wie man immer noch beim Steigen schon einen Snack zu sich nehmen konnte, aber ich schaute ohnehin nur aus dem Fenster und redete ununterbrochen, gespickt mit schwarzem Humor.

Während dem Abflug schneite es leicht, sodass wir bald in eine Stratus bzw. Nimbostratusschicht eintauchten. Dabei gab es leichte Turbulenzen, aber war noch auszuhalten. Wir stiegen höher... die Landschaft unter uns verschwand in den Wolken. Dann aber... gelangten wir über die Wolkenobergrenze der tiefen Wolken und ich konnte diese Impressionen festhalten:

Über uns Altostratusbänder, unter uns die wellenden Wolkenmeere aus Nimbostratus oder was auch immer - mit einer unendlichen Weite am Horizont.

Wir stiegen noch höher und die undulatus-artigen Wolkenoberflächen waren wirklich sehr beeindruckend.

Dann überwanden wir auch den Altostratus und plötzlich war es wolkenlos - unter uns ein stratiformes Meer aus tiefen Wolken - mit einzelnen Altocumulus darüber. Nach Norden hin kündete sich die nächste Front an, bzw. der nördliche Teil der Okklusionsfront. Wir flogen - was man anhand der Sondenaufstiege und des Satellitenbildes gut sehen kann, jetzt durch die Zone der Stratosphärenluft, die regelrecht eine Schneise in die sonst flächige Bewölkung über Deutschland geschlagen hatte.

Mit etwas Phantasie erkennt man auch noch die wogenförmigen Wolkenoberflächen in der Mitte des Bildes.

Ein Blick nach Osten und Südosten, die Wolkendecke lockerte sich weiter auf bzw. sanken die Wolkenobergrenzen auf - ebenfalls koinzident zur Stratosphärenzunge, die sich von Osten her westwärts hereinschob.

Wolken, Wolken, Wolken... häufig in "Straßen" angeordnet, wellenförmig, leewellenartig...und darüber eine kompakte Altostratus und Cirrostratusschicht in den höheren Atmosphärenschichten. Wir - flogen entlang der Tropopause bzw. leicht darüber - wo blitzeblanke Sicht herrschte.

Hier in der Bildmitte wieder undulatus-artig, fein und hell, cirrusartig oder cirrus.

Herangezoomt - ein seltsamer Streifen quer durch die Wolkendecke, vielleicht durch ein Flugzeug verursacht.

Dann erreichten wir die Front im Hamburger Raum und sanken bereits - wie bei einer Parabel - wieder in Richtung der kompakten Wolkendecke. Über uns Cirro- und Altostratusbewölkung, darunter Nimbostratus, der gerade an der Oberseite recht turbulent war, mit durchaus größeren "Wellenbergen". Am Horizont konnte man in Richtung Norden /Osten eine Art Gebirge erkennen - vielleicht das skandinavische Gebirge. Die Nord- Und Ostsee sah man leider nicht. Dann ging es noch weiter abwärts - hinein in die dichte Bewölkung - und die Turbulenzen nahmen zu.

Während es im Nimbostratus zwar grau, aber zumindest noch hell war, erreichten wir wenige Kilometer vor der Landung eine lichtundurchlässige Nebelschicht, in der es wirklich *schwarz* wurde. Das Flugzeug schwankte nun doch ein bisschen und mein Körper signalisierte mir, dass er immer noch einen Magen besaß. Ich atmete tief durch, was erstaunlicherweise half. Dann durchbrachen wir die Stratusschicht und unter uns breitete sich Hamburg aus. Man konnte die Wohngebiete erkennen. Es war sehr eindrücklich. Kurz vor der Landung wurden wir aber doch noch etwas durchgeschüttelt, ehe wir recht sanft aufsetzten. In Hamburg regnete es und es ging ein teilweise starker Wind aus Nordost bis Ost. Übersicht


Der Kongress - Tag 1

So...nachdem wir landeten, und zuvor noch die Bekanntschaft mit Lars Lowinski und Fokker Planck aus dem WZ-Forum machten, ging es mit dem Shuttle-Bus zur nächsten U-Bahn-Station und weiter zum Hauptbahnhof. Von dort waren es nur wenige Meter zu unserem "Hotel Nord". Dort dann der erste Schock als der Vermieter neben den 35€ für die Übernachtung noch 20€ Kaution für die Zimmerschlüssel verlangte. Damit hatte ich nicht gerechnet. Nach kurzem Einchecken mit der Feststellung, dass das Klofenster ins Treppenhaus mündet und man sich mit Hair- und Bodylotion die Hände wusch, fuhren wir mit der S-Bahn weiter und...liefen erstmal sinnlos in der Gegend herum, da der Kongress nicht ausgeschildert war. Endlich angekommen... im "Foyer" waren verschiedene Stände von der UWZ, von MC-Wetter, vom DWD und Stormchaser-Europe aufgebaut - und noch zwei drei andere, was mich aber nicht so interessiert hatte. Im ersten Stock konnte man an der Garderobe für 1€ seine Jacke abgeben. Pluspunkt. Kaffee suchte ich in den kurzen Kaffeepausen vergeblich und die Getränke (0,33-Flaschen) waren mit 1,50€ bis 2,00€ viel zu teuer. Minuspunkt. Schnell rein in den riesigen Hörsaal, wo man sofort eine Reihe bekannter Gesichter aus dem WZ-Forum, der Wetterdienste und sonstvonwo entdeckte.

Der erste Vortrag, den ich mir anhörte, Extremwetter im Klimawandel, war gut gemacht, aber "populärwissenschaftlich" wie fast alle Vorträge, d.h. man hörte selten etwas neues, wenngleich es trotzdem sehr interessant war. Danach kam ein überflüssiges politisches Wahlkampfgrüßwort des Hamburger Senators für Stadtentwicklung und Umwelt, welcher die Vorreiterrolle Deutschlands beim Klimaschutz betonte und dann von der Wortwahl her eher in eine Talkshow von Sabine Christiansen als in einen Kongress für Wetterinteressierte gepasst hätte. Kurzum - es war einschläfernd langweilig. Der Vortrag von Weingärtner, DWD, über die (Verifikation von) Warnungen vor extremen Wetterereignissen, war ebenso reine Produktwerbung, Schönrednerei eigener Vorhersagen (z.B. durch das Weglassen von Ereignissen, wo die Prognosegüte nicht so gut war , wie der nachfolgende Vortrag von Alexander Lehmann über den Einfluss von Unwettern über wirtschaftliche Bereiche und Möglichkeiten zur Vorsorge. Sicherlich - in beiden Vorträgen waren gute und wichtige Punkte vorhanden. Andererseits zeigte sich deutlich das Konkurrenzverhalten beider großer Wetterdienste in Deutschland. Der DWD präsentierte sich mit Weingärtner typisch klischeehaft, mit einem eher - von der Wortwahl und Inhalt hochfachlichem Vortrag, mit der Betonung des umstrittenen "Single-Voice"-Prinzip, was mit der Monopolstellung des DWD in Deutschland begründet wurde - nein, das ist nicht ganz richtig, eher mit dem Staatsauftrag. Meteomedia alias Alexander Lehmann musste kontern. Klar - Lehmann brachte es sehr sympathisch herüber, er zeigte offen seine eigene Wetterbegeisterung, wo er wohl nicht nur mir, sondern vielen aus dem Publikum aus dem Herzen sprach.

Trotzdem gab es auch hier Kritikpunkte - etwa, was die Verwendung ihres eigenen Messnetzes zur Vorhersage betrifft. Das darf man sich nun nicht so vorstellen, dass Meteomedia ein eigenes Modell entwickelt. Denn hierfür reichen die Daten aus Deutschland nicht, sondern es benötigt Satellitendaten, internationale Beobachtungsnetze, etc... was ja Unmengen an Geld kostet. Die Vorhersage bezieht sich eher auf die Verbesserung der Model Output Statistics (MOS). Je mehr Messdaten, desto mehr kann das MOS bei der Vorhersage auf frühere Beobachtungsdaten zurückgreifen. Diese werden verglichen (was gab es früher bei einer vergleichbaren Wetterlage für Windböen, Temperaturen,etc...) und daraus eine Vorhersage errechnet.

Nach diesem Vortrag gab es die Mittagspause, lächerliche sechzig Minuten lang (sorry). Aber das ist ein weiterer Minuspunkt. Die Zeit ist einfach zu knapp, um sich ein Lokal zu suchen, Mittag zu essen, und nebenher mit den zahlreichen Teilnehmern zu plaudern. Schon auf dem Weg raus aus dem Hörsaal trifft man soviele bekannte Gesichter oder Leute, die man gerne mal kennenlernen wollte. Die Zeit vergeht wie im Fluge. So verbrachte ich die Mittagspause mit Lars Lowinski und Martin Hubrig und wir verpassten den Vortrag von Thomas Sävert über Hurricanes in Europas (woraus die BILD-Zeitung eine merkwürdige Schlussfolgerung zog und Thomas Sävert mit einem gefälschten, reißerischen Zitat auch noch diskreditierte). Den Vortrag von Schönwiese über die Frage, ob das Klima in Deutschland extremer würde, bekam ich nur halb mit, denn die Müdigkeit wurde nun nach 32h ununterbrochen wach wirklich kritisch. Nach einer weiteren, wieder viel zu kurzen Kaffeepause ohne Kaffee, kam der sehr interessante Vortrag von Finke über die Physik der Blitze und die Häufigkeit von Blitzen im klimatologischen Zusammenhang. Im Anschluss der beste Vortrag des EWK, von Jürgen Vollmer, über den Schneesturm von 1978/79 mit Original-Tagesschauberichten. Er widmete den Vortrag dem kürzlich verstorbenen Peter Rosenzweig alias "Peter aus Teltow" aus dem WZ-Forum, der leider den Kampf gegen Lungenkrebs nach anderthalb Jahren verloren hatte, und ein sehr wetterbegeisterter Mensch gewesen ist. Jürgens Berichterstattung war wirklich ergreifend. Er beschränkte sich auf wenige synoptische Beschreibungen und ließ die Bilder bzw. Berichte sprechen. Leider reichte die kurze Vortragszeit nicht mehr aus, um den markanten Temperaturrückgang auch in Süddeutschland zu veranschaulichen. Weiterer Minuspunkt - die kurze Vortragszeit und die kurze Zeit für Fragen aus dem Publikum.

Den Vortrag von Marco Kaschuba über die Entstehung von Großhagel und seine Folgen musste ich auslassen, da ich wirklich entsetzlich müde war und frische Luft brauchte. Bis auf das kurze Interview Böttchers von Ewa Wisnierska, welche in Australien bei einem Vorbereitungsflug zur Gleitflug WM in eine Gewitterwolke geriet, und von Aufwinden bis auf 10.000m gerissen wurde, ließ ich die restlichen Vorträge sausen. Das Interview war ein "Aha"-Effekt, zeigte sich doch die verzerrte Wahrnehmung des Sachverhalts durch die falsche bzw. unvollständige Darstellung durch die Medien im Vorfeld. VOR dem Interview war ich der Meinung anhand der Berichte, dass die Frau verantwortungslos trotz der Präsenz von Gewitterwolken gestartet war und mehr oder weniger selbst schuld sei, wenn sie in eine Gewitterwolke flog. Tatsächlich aber gab es an jenem Tag eine Sperrschicht mit starkem Deckel, der Überentwicklungen verhinderte. Sie hatte das einmalige Pech, genau zu jenem Zeitpunkt in den Aufwind einer Cumuluswolke zu geraten, als diese die Sperrschicht durchbrach und explosionsartig nach oben schoss. Meteorologisch bezeichnet man eine solche Situation als "loaded gun" - der Traum eines "Stormchasers", der Alptraum für Gleitsegelflieger. Dabei sammelt sich unterhalb der Sperrschicht feuchte Luft an, darüber baut sich mitunter hohe Labilität auf. Diese kann aber erst freigesetzt werden, wenn die Sperrschicht durchstoßen wird (z. B. durch synoptische Hebung oder starke Aufheizung von unten). Dann kann die entstehende Gewitterzelle aus der gesamten Umgebungsluft Energie einbeziehen und sich explosionsartig sowohl horizontal als auch vertikal ausdehnen.

Nach dem Interview aß ich noch pakistanisch mit Bernold Feuerstein, Nikolai Dotzek, Marco Puckert u.a., dann forderte die Natur endgültig ihr Recht und auch das durchgehangene Bett im Hotel Nord war mir völlig egal. Übersicht

Der Kongress - Tag 2

Nach herrlichen sieben Stunden (Ver)schlaf gab es zu Beginn des zweiten Tages die Wetterbesprechung vom Deutschen Wetterdienst, die in meinen Augen gelungen war, wenngleich Worte wie "Das Wetter wird wieder besser" vielleicht bei Meteorologen nicht immer gut ankommen ;-)
Danach folgten zwei sehr interessante Vorträge von Lars Lowinski über Tornadosignale - wie sich Ausbrüche abzeichnen und von Bernold Feuerstein bzw. Ansgar Berling über die Vorhersagbarkeit des Tornados von Hamburg. Auch bei diesen Vorträgen war die Zeit wieder das Problem und die ungeduldigen Gesten von Wolfgang Böttcher zwangen Lars zur Verkürzung seines Vortrags.

Danach hielt ein Prof. Dr. Hans Peters vom Forschungszentrum Jülich, über die Bewältigung von Naturkatastrophen, was wieder furchtbar langweilig war [Anm.: Ich gebe hier persönliche Eindrücke wieder]. Der Vortrag im Anschluss von Inge Niedeck über Extremwetter im Fernsehen am Beispiel Kyrill war wieder das genaue Gegenteil mit einem Zusammenschnitt der Berichterstattung zu Kyrill mit einigen lustigen Sequenzen, z.B. als ein kleiner Wauwi vom Wind regelrecht durch die Luft flog, ehe sein Besitzer den armen in die Arme nahm. Oder die Technikprobleme bei den ZDF-Nachrichtensendungen. Auch der Vortrag bereitete Technikprobleme, die Inge Niedeck aber "cool" meisterte. Sie betonte erneut das Single-Voice-Prinzip und führte im Gegensatz zum DWD-Vortrag auch eine Begründung an, nämlich, dass einheitliche Warnungen für die Bevölkerung sinngebender seien als ein Multi-Voice-Prinzip, wo sich hinterher keiner mehr auskennt, wem er mehr vertrauen soll. Meine Meinung: Wenn man beim single-voice-Prinzip offen mit diskutieren könnte, was die Güte der Warnungen betrifft ("vier Meteorologen - fünf Prognosen"), dann wäre das vielleicht durchsetzbar. Aber wenn beispielsweise ein Wetterdienst (etwa der DWD oder MM) auf UKMO setzt, und der andere Wetterdienst auf GME...und das eine Modell nun richtiger liegt, und die Warnung daher auch... dann ist das single-voice-Prinzip schon etwas gefährlich. Die Bevölkerung sollte mündig sein, sich den Anbieter der Warnungen selbst aussuchen zu dürfen, nämlich jenen Anbieter der über einen längeren Zeitraum eine bessere Vorhersagegüte anbietet. Diese Thematik wird auch wie ein Damoklesschwert über dem nächsten Extremwetterkongress hängen. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Die restlichen Vorträge sparte ich mir, und plauderte stattdessen ausgiebig mit vielen Leuten über dies und jenes. Auch hier der Minuspunkt, dass im Rahmen des vollgestopften Terminplans kaum Zeit für Post-Diskussionen über die verschiedenen Vorträge war. Die Podiumsdiskussion am Ende mit dem Thema "Klimawandel" war für viele einschläfernd und brachte nichts wirklich neues. Ärgerlich war, dass Nikolai Dotzek nur einmal zu Wort kam, als die Frage gestellt wurde, ob Unwetter zunehmen - und für den Rest der Diskussion zum Zuhören verdammt war. Übersicht

Die Abreise

Nach der Diskussion ging es gemeinsam mit Fokker Planck zurück zum Hamburger Flughafen, wo man ewig zur Sicherheitskontrolle anstehen musste. Der Abflug verspätete sich leicht und wir landeten zudem zwanzig Minuten später. Der Abflug war erneut etwas turbulenter, bei teils stürmischen Böen am Boden. Von Hamburg selbst sah ich - außer aus der Vogelperspektive - die beiden Tage nichts. In München angekommen fiel die S-Bahn zum Hauptbahnhof erst aus, dann kam sie zwanzig Minuten später. Dann am Hbf noch kurz etwas gegessen, mit dem Nachtzug nach Innsbruck und wie ein Stein ins Bett gefallen.

Wen ich traf

Während den beiden Tagen am EWK traf ich einige WZ-Forumaner, Studienkollegen u.v.a.... darunter...

..."Jule aus Hamburg", "Björn aus Hannover", "Dennis Bührens" (Hamburg), "Wetterfuchs", "Martin Hubrig" (Skywarn), "Lars Lowinski" (Skywarn), "Herfried Eisler" (Skywarn Austria), "Marco Puckert" (DWD), "Torsten aus Eschwege", "Dieter aus Lüneburg", "Jürgen Vollmer", "Manfred Spatzierer" (Meteomedia Österreich), "Robin aus Bonn" (Meteomedia Deutschland), "Bernold Feuerstein" (TorDACH, ESSL, Skywarn), Ansgar Berling/ Sven Lüke (beide Skywarn Deutschland), "Thomas Sävert" (Meteomedia Deutschland), "Christoph Gatzen/Pieter Groenemeijer" (beide Estofex), "Jan Hoffmann/Steffen Dietz" (FU Berlin), Fokker Planck Nikolai Dotzek (TorDACH, ESSL), Michael/Ostholstein, acht meiner Studienkollegen von der Universität Innsbruck, die ebenfalls anreisten, sowie noch andere, die ich gerade vergessen habe...

Kritik und Vorschläge

Zwar konnte man dies auch auf einem Fragebogen tun, den ich aber vergaß abzugeben. Daher an dieser Stelle meine Kritik zum EWK:
  1. Zu teure Getränke -- neben den horrenden Anreisekosten und den für Nichtstudenten, Nichtprofessoren, etc. horrenden Anmeldegebühren waren die Getränke viel zu teuer. 1,50€ für ein 0,33-Wasser und 2€ für ein 0,33 Cola ist einfach zuviel. 1-2 Kaffeeautomaten wären vielleicht besser gewesen, zumal in dem Hörsaal mit über sechshundert Zuhörern nach kurzer Zeit die Luft recht stickig war und der Trinkbedarf entsprechend hoch.
  2. Zu vollgestopftes Programm -- dieser Meinung bin ich nicht alleine. Es ist schlicht Reizüberflutung. Man braucht etwas Zeit, um die Vorträge zu rekapitulieren, und anschließend Fragen zu stellen. Interessante Vorträge wie von Jürgen Vollmer oder Lars Lowinski mussten leider gekürzt werden. Die Zeit für Fragen aus dem Publikum war zu kurz, zumal meist immer dieselben "berühmten" Fragesteller zu Wort kamen. Außerdem waren die Gelegenheiten für Gespräche mit Freunden, Bekannten, unbekannten Gesichtern, die man zu gerne mal kennenlernen wollte, viel zu dünn gesäet, 20min Kaffeepause und 45-60min Mittagessen reichen dafür nicht aus. Für mich persönlich waren die Gespräche aber mindestens ebenso wichtig wie die Vorträge, da man dabei viele Kontakte festigen oder knüpfen konnte. Zudem gab es manche Vorträge "doppelt" zum selben Thema, anstelle einen und dann mehr Diskussionszeit.
  3. Der Ort -- Nachdem der Kongress jetzt 2x in Hamburg stattfand und das nächste Mal in Bremerhaven im Mai stattfinden soll, frag ich mich ernsthaft, wieviel Interesse überhaupt besteht, dass auch Leute aus den südlichen Regionen Deutschlands und angrenzender, deutschsprachiger Länder, denn für den EWK eingeladen werden wollen. Ich bezahlte trotz Flug über 230€ für die Anreise, für einige Studienkollegen war dies zuviel und das wird nächstes Jahr nicht besser, zumal Bremerhaven noch schlechter erreichbar ist. Warum kann man den Kongress - nachdem man sowieso ein Jahr Vorbereitungszeit hat - nicht mal im Süden organisieren, z.B. München, Karlsruhe oder Wien? Für die "Elite" unter den Teilnehmern ist die weite Reise kein Problem, Peanuts... für Studenten oder Geringverdienende bedeutet es viel finanzieller Aufwand, zumal man auch die Übernachtung miteinplanen muss.
  4. Die Zeit -- Dass es nicht während der Semesterferien stattfand, ist ein Punkt. Natürlich sind die Semesterferien von Bundesland zu Bundesland verschieden, aber Osterferien etwa herrschen fast überall und in den Sommerferien könnte man auch noch eine Lösung für viele Studenten finden. So musste ich z.B. zwangsweise die Anreise per Flug nehmen und eine kürzere Übernachtung, um nicht zuviel von den Vorlesungen zu verpassen, zumal auch die Lernzeit ausfällt. Alleine rein zeitlich mitten in der Woche war der Termin doch recht unglücklich gewählt.

Danksagungen

Positiv muss man anrechnen, dass für jeden ein interessantes Thema dabei war und Frank Böttcher da wirklich sehr viel Vorarbeit geleistet hat und daher nochmal ausdrücklichen Dank verdient. Danke auch an alle Teilnehmer, mit denen ich teils intensivere Gespräche führen konnte. Danke an meinen Studienkollegen Helge, der den Flug und die Übernachtungsmöglichkeit organisiert hat, und mir etwas die "Angst" vor dem Fliegen genommen hat. Wenn es die finanziellen und zeitlichen Umstände erlauben, bin ich nächstes Jahr wieder dabei - möglichst via Flug. Übersicht

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